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Lymphkliniktag 6.1 Wolfsberg 

Am 23. und 24. April 2021 fand der Lymphkliniktag Wolfsberg als Online-Symposium statt.

Da die Veranstaltung 2020 pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, war es dem Kongressleiter Prim. Dr. Christian Ure, Wolfsberg, dieses Jahr eine noch größere Freude, zahlreiche internationale Referent*innen und Gäste zum Lymphkliniktag 6.1 begrüßen zu dürfen. Trotz des reinen Online-Formats war Raum und Zeit zur Diskussion und zum interdisziplinären Austausch gegeben.  

Anspruch der von der Lymphklinik Wolfsberg zusammen mit der Akademie der Julius Zorn GmbH veranstalteten Tagung war auch in diesem Jahr, für die Therapie von Lymphödempatient*innen relevanten Themen zu behandeln.   
Unter dem Themenschwerpunkt der chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten lag der Fokus auf der Patientenauswahl und den Langzeitergebnissen. Der Lymphkliniktag Wolfsberg sei eine praxisrelevante Fortbildung, die das interdisziplinäre und internationale Netzwerk stärke und fördere.  

Informationsaustausch auf höchster fachlicher Ebene 

Unter dem Vorsitz von em. Prim. Dr. Walter Döller, Wolfsberg, und Assoc.-Prof. PD Dr. Chieh-Han John Tzou, Wien, startete die Veranstaltung am Freitagabend mit Vorträgen zur Patientenauswahl bei der Lymphchirurgie und supermikrochirurgische Verfahren sowie der heilenden Rolle der lymphatischen Mikrochirurgie. Diskutiert wurden intraoperative Fluoreszenzangiographie und lymphologische Liposculptur bei einem sekundären Lymphödem nach Brustkrebs. Ein Vortrag widmete sich der vollumfänglichen Betreuung von chirurgischen Eingriffen (vor, während und nach dem Eingriff). 

Em. Prim. Dr. Walter Döller betonte in der Begrüßung, dass trotz digitalen Kongresses am Bildschirm die Informationen in gleicher Weise vermittelt werden könnten. Er hoffe, dass die Diskussion lebendig und ausreichend geführt werden könne. Die Themen des Lymphkliniktages in diesem Jahr fokussierten auf die chirurgischen Therapiemöglichkeiten des Lymphödems.  
Die Lymphklinik Wolfsberg, mit einer Rehabilitations- und Akutstation, sei optimal geeignet, sowohl konservative als auch chirurgische Behandlung des Lymphsystems zu koordinieren. 

Neben der Konservativen Therapie mittels komplexer physikalischer Entstauungstherapie gewinne die chirurgische Behandlung des Lymphsystems immer mehr an Bedeutung. Zu sehen sei dies unter anderem an der neuen AWMF S2k - Leitlinie Diagnostik und Therapie des Lymphödems. Dort werden aktuelle Verfahren der Chirurgie übersichtlich dargestellt.  
„Besonders froh sind wir darüber, dass wir weltweit anerkannte Spezialisten als Referenten gewinnen konnten, welche die chirurgischen Verfahren vorstellen“, so em. Prim. Dr. Döller. Im Besonderen wurden die Patienten, denen eine Operation helfen könnte, die dafür auszuwählenden Verfahren und deren Langzeitergebnisse diskutiert. 
Die Verfahren wurden in den letzten Jahren durch die Entwicklung der Mikrochirurgie ermöglicht und hätten berechtigte Hoffnung auf eine verbesserte Lymphödemtherapie geweckt. Es sei aber die Pflicht von Medizinern, die Patienten vor überstürzten Operationen und möglicherweise daraus resultierenden Folgeschäden zu schützen, betonte em. Prim. Dr. Döller. 

Prim. Dr. Gert Apich, Klagenfurt, wies darauf hin, dass sich aus dem chirurgischen Tun heraus für die konservative Therapie neue Möglichkeiten ergäben.  
Kongresspräsident Prim. Dr. Christian Ure lobte die Internationalität als glücklichen Nebeneffekt der Online-Veranstaltung. 160 deutschsprachige und 38 internationale Teilnehmende aus insgesamt 19 verschiedenen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Slowakei, China, Japan, Südafrika, Türkei, Polen, Belgien, Italien, Frankreich, Singapur, USA, Mauritius, Niederlande, Nigeria, Slowenien und Russland) nahmen an dem Symposium teil. „So können Grenzen ganz leicht überwunden werden“,  so Prim. Dr. Christian Ure. 

Zusammen mit Priv. Doz. Dr. J. Wallmichrath gestaltete Prof. Dr. Dr. Rüdiger G.H. Baumeister, München, den Vortrag über „Lymphchirurgie – Patientenauswahl in Bezug auf das Lymphödemstadium“.  
Chirurgische Maßnahmen seien nicht unbedingt isoliert zu betrachten. Wichtig für die Behandlung von Patienten mit Lymphödemen sei, die konservative Therapie als Ersttherapie zu betrachten. Eine Ausnahme wäre lediglich die prophylaktische lymphovenöse Anlage. Er wies darauf hin, dass die Behandlung von Lymphödemen kein Hauruckverfahren und ein langer Atem notwendig sei. Man sollte immer bedenken, dass Patienten sich meist ein schnelles Ende aller Behandlungen wünschen. Er stellte verschiedene Auswahlkriterien vor, welche, neben den Stadien nach der AWMF S2k - Leitlinie des Lymphödems (Stadium 0 - III), für die Chirurgie wichtiger seien, wie z.B. der Zustand der Lymphkollektoren oder der Zustand des Gewebes. 
Chirurgische Ansätze zur Therapie, wie Resektionsverfahren, ableitende Verfahren und rekonstruktive Verfahren seien als kausal, symptomatisch oder ergänzend zu bewerten und in bestimmten Stadien des Lymphödems als Therapieoption zu berücksichtigen. 
Der konservative Therapieansatz habe seine Berechtigung, wenn es gelinge, die Lymphatische Transportkapazität (LTK) über die Lymphatische Last (LL) zu heben, da die LTK von der Zahl und Funktion von Lymphbahnen und Lymphknoten abhängig sei. 

Doz. Dr. Christian Taeger, Regensburg, sprach über „Intraoperative Fluoreszenzangiographie in der Lymphchirurgie, Verlaufsstudie mittels 3 D-Volumetrie“. Er fokussierte auf die mikrochirurgischen Therapieansätze des Lymphödems und ging auf die Lymphovenösen Anastomosen (LVA) und den freien vaskularisierten Lymphknotentransfer ein. Um gute und reproduzierbare Ergebnisse zu erreichen, müsste z.B. eine differenzierte Patientenauswahl erfolgen, die besten Geräte und diagnostischen Verfahren herangezogen werden und die Chirurgen sich auf einige wenige operative Verfahren spezialisieren. Absolut notwendig sehe er die objektive Auswertung der Ergebnisse und eine gute und vor allem enge Zusammenarbeit sowohl mit dem Patienten als auch mit unterschiedlichen Fachdisziplinen. Er präsentierte Zwischenergebnisse zu einer Verlaufsstudie mittels 3D-Volumetrie, wo bei 26 Patienten in 92,3% der Fälle eine Verbesserung beobachtet werden konnte und ein durchschnittlicher Volumenverlust von 303 ml, maximal 1,17 l. Bei zwei Patienten sei eine Verschlechterung verzeichnet worden. Mittels eines 3D-Scanners wurde die untere Extremität (nur Seki Point) prä- und postoperativ (bei 1-3 Anastomosen) vermessen. Neben der Volumetrie sei auch der LyQLI (Lymphoedema Quality of Life Inventory) ausgewertet worden: bessere Lebensqualität bezüglich physischer Leiden, weniger psychosoziale Beschwerden und körperliche Einschränkung. Auffällig sei, dass keine Korrelation zwischen Lebensqualität und Volumenverlust bestünde. Für Prof. Doz. Taeger sei wichtig, dass die konservative und die operative Therapie immer Hand in Hand gingen und die Lymphchirurgie als ein Bauteil eines interdisziplinären Netzwerkes gesehen werde. 

OA. Dr. Johannes Steinbacher, Wien, beschäftigte sich mit der „Patientenauswahl für supermikrochirurgische Verfahren und Langzeitdaten“. 
Das standardisierte Vorgehen beinhalte, dass vor jedem chirurgischen Eingriff die Abklärung durch ein Institut für Physikalische Medizin vorangehe, um eine adäquate Bestrumpfung und KPE zu gewährleisten und internistische Ursachen ausschließen zu können. Verlangt werde immer eine aktuelle Lymphszintigraphie sowie eine Duplexsonographie. Die First-Line Therapie seien Lymphovenöse Anastomosen (LVA), da sie eine geringe Hebemorbidität hätten, keine schweren Komplikationen verursachten und oft unmittelbar ein positives Ergebnis sichtbar sei. Eine Liposuktion sei nur durchzuführen, wenn nach einem Jahr trotz verringertem Spannungsgefühl keine substantielle Umfangsreduktion erzielt werden konnte und der Patientenwunsch nach einer Gewichtsreduktion der betroffenen Extremität vorhanden sei. 
Die Indikation für einen vaskulären Lymphknotentransfer würde sehr streng gestellt, könne aber bei schwerwiegenden Fällen notwendig werden, im Zuge einer simultanen Brustrekonstruktion beispielsweise oder wenn Lymphgefäße weder mit ICG oder Sonographie dargestellt werden könnten.  
Komplexe Patientenfälle würden eine hohe Flexibilität erfordern und bräuchten oftmals eine Behandlungsstrategie abseits des Krankenhauses und eine Kombination verschiedener chirurgischer Verfahren, wie z.B. eine Resektion überschüssigen Gewebes (Debulking), LVA und eine Transplantation des Lymphsystems. 


Dott. Alberto Onorato MD PhD., Udine, referierte zum Thema „Perioperative treatment in case of surgical procedures“. 
Der interdisziplinäre Ansatz in der Lymphödemtherapie sei unerlässlich, denn die operative Therapie müsse prä- und postoperativ von der KPE begleitet werden. Vor allem im Bereich der Orthopädie und Traumatologie sei die Rehabilitation ein sehr wichtiges Thema und beeinflusse das Ergebnis einer Operation im positiven Sinne. Ziel sei es, Beeinträchtigungen und Behinderungen zu reduzieren, die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen zu reduzieren und die Patienten wieder zu möglichst normaler Aktivität zurückführen zu können. Besonders die Gefäßchirurgie sei für die Wiederherstellung des Bewegungsapparats und der Mobilität der Patienten wichtig. 
Dott. Onorato sprach über die Bedeutung der Rehabilitation als Behandlung und diskutierte die Anforderungen (Art, Dauer, Intervalle, Intensität) und die Bewertung der Wirksamkeit der chirurgischen Rehabilitation und der chirurgischen Eingriffe. Abschließend wies er auf die Notwendigkeit für Rehabilitation nach chirurgischen Eingriffen hin. Richtlinien über die perioperativen Behandlungen und die Bewertung der Auswirkungen der Mikrochirurgie und Rehabilitation müssten etabliert werden. Es bestehe unbedingt Bedarf an einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen Mikrochirurgen und Mitarbeitenden der Rehabilitation. 

Prof. Hon. Dr. med. Manuel E. Cornely, Düsseldorf, widmete sich der „Lymphologischen Liposculptur bei sekundären Lymphödemen nach Brustkrebs und gynäkologischen Tumoren und zeigte Ergebnisse nach bis zu 15 Jahren“.  
Seit 2005 wurden 50 Patienten mit sekundärem Lymphödem mit der Lymphologischen Liposkulptur behandelt, welche in Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) mit begleitender Analgosedierung oder in Narkose mit Larynxmaske durchgeführt werde. Diese Technik wurde seit 1997 zur Behandlung von Lipödem-Patienten (Lipohyperplasia dolorosa) als Weiterentwicklung der Brorson-Liposuktion eingeführt, so Prof. Dr. Cornely. 
Die lymphologische Liposkulptur bei sekundären Lymphödemen der Arme nach Brustkrebs werde in einer Sitzung, bei sekundären Lymphödemen der Beine nach gynäkologischen Tumoren in zwei Sitzungen, durchgeführt, wobei die Liposkupltur mit der lateralen Seite des Beines beginne und vier Wochen später mit der medialen Seite des Beines enden würde.  
Die lymphologische Liposkulptur reduziere die Notwendigkeit einer komplexen Dekongestionstherapie (CDT) um bis zu 80% und erreiche nachhaltig ein ähnliches Volumen und einen ähnlichen Umfang wie des gesunden Beines.  
Die Langzeitergebnisse von bis zu 15 Jahren bei diesen Patienten wurden mit einem Lebensqualitätsfragebogen und objektiven perometrischen Messungen ausgewertet und würden eine nachhaltig signifikante Verbesserung der Lebensqualität der Patienten zeigen. 

„The hidden truths of the iceberg – lymphedema and the creative role of a rational lymphatic miscrosurgery“ war Thema des Vortrags von Prof. Dr. Corradino Campisi, Genua. 
Das Lymphödem sei keineswegs immer eine periphere Erkrankung. Eine angemessene Behandlung des Lymphödems müsse eine Kombination aus physikalischer Therapie und chirurgischer Therapie sein. Prof. Dr. Campisi ging auf die vollständige Lymphödemfunktionstherapie ein und spezifizierte die Aspekte des Complete Lymphoedeme Functional Treatment Staging Guide – CLyFT Protokoll – genauer. Die klinischen Eingriffe würden nur eine Woche benötigen. Viel wichtiger sei aber die konservative Behandlung, welche 6-12 Monate präoperativ durchgeführt werde. Durch den kurativen Ansatz könnten die Ergebnisse der chirurgischen Maßnahmen durch die konservative Therapie verbessert werden. Prof. Dr. Campisi betonte, dass Forschung, Schulung und Anwendung durch die internationale Zusammenarbeit weiterentwickelt werden würde. Für die Zukunft wäre ein Konsensusdokument mit den entsprechenden Gesellschaften, um z.B. auch technische Weiterentwicklungen umsetzen zu können, wichtig.  

OÄ. Dr. Julia Roka-Palkovits, Wien, hielt einen Vortrag über die „Synopsis der verschiedenen Operationsverfahren in der Lymphchirurgie“. Sie machte einen Abriss durch die Geschichte der resektiven und rekonstruktiven Verfahren der Lymphchirurgie und ging auf die Vor- und Nachteile sowie mögliche Risiken verschiedener Lymphknotenlappen bei der Transplantation ein. Nicht nur die chirurgischen, sondern alle begleitenden Maßnahmen vor und nach der Operation seien von Bedeutung, betonte sie. 
Sowohl LVA (Lymphovenöse Anastomosen), Vaskularisierte Lymphknotentransplantation (VLNT) als auch Vaskularisierter Lymphsystem Transfer, seien zu empfehlende Techniken in der Behandlung von Lymphödemen, jedoch sei vor den mikrochirurgischen Maßnahmen immer ein ausgewogener Ernährungsplan und Komplexe Entstauungstherapie der Patienten voranzustellen. OÄ. Dr. Roka-Palkovits betonte, dass mikrochirurgische Eingriffe sehr komplex seien und eine hohe Expertise erforderten.  Es müssten unbedingt Überlegungen zur Entnahmestelle und Morbidität angestellt würden. In Zukunft werden qualitative und quantitative Messungen von Daten wie Fett und Flüssigkeit bei der Entscheidung für ein operatives Mittel eine sehr große Rolle spielen. Hohe Standardisierung in Staging , perioperativen additiven Maßnahmen und in der Evaluation wären wünschenswert. Das Team um Dr. Roka-Palkovis sehe eine interdisziplinäre Zusammenarbeit als unbedingt erforderlich an. 

„Minimalinvasive Lymphchirurgische Verfahren: Auswahl und Ergebnisse“ wurden von Prof. Dr. med. Gunther Felmerer, Göttingen, vorgestellt.  
Der Fokus lag auf den Schwierigkeiten der einzelnen Verfahren und es wurde ein Überblick über Hebedefektmorbidität und Entnahmestellenproblematik gegeben, die laut Prof. Dr. Felmerer dazu geführt hätten, dass die Konzepte von sehr invasiven auf minimalinvasive Verfahren umgestellt wurden. 
Prof. Dr. Felmerer ging auf verschiedene Spenderregionen ein: Zervikale Lymphknotentransplantation (LK), Omentale LK roboterassistiert und die Lymphgefäßtransplantation (Lymphgefäß am Bein) nach Baumeister. In der Klinik hätten sie auf die roboterassistierte Omentumentnahme umgestellt. 
Er beschrieb weiter lymphovenöse Shunts – die Verbindung zwischen Lymphgefäßen und Venen – welche die lymphchirurgisch harmloseste Operation mit den wenigsten Komplikationen sei.  Auch bei diesem Verfahren müsse aber postoperativ mit z.B. Lymphdrainage und Kompression behandelt werden. 
Seit November 2017 wurden 54 Lymphknotentransfers von Omentum nach Ciudad mit dem Da Vinci XiSystem durchgeführt. 
Die Ergebnisse der Studie wurden publiziert und seien online zugänglich. Prof. Dr. Felmerer betonte, dass den Ergebnissen nach die roboterassistierte Lymphknotentransplantation aus dem Omentum die sicherste Methode bezüglich Hebedefektmorbidität darstelle. Lymphovenöse Shunts würden als Ergänzung beim Armlymphödem oder als Haupttherapie beim Beinlymphödem dienen. 

„Strategy in lymphoedema treatment, lymphnode transfer – indications and combining with other procedures, selection of candiates“ war Thema des Beitrags von Corinne Becker MD, Paris.  
Sie erläuterte die operative Technik der LVA und des Lymphknotentransfers. Bei einem frühen Stadium könne ein Lymphknotentransfer durchgeführt werden, bei älteren Lymphödemen könne eine Liposkulptur, falls nötig, angeschlossen werden. Die postoperative Nachsorge und interdisziplinäre Zusammenarbeit sei unerlässlich. In der Nachsorge würde sie eng mit Physiotherapeuten zusammenarbeiten und zudem Kompressionsversorgung verordnen. Besonders bei angeborenen Defekten brauche es einen multidisziplinären Ansatz und bildgebende Verfahren. Es sei immer besser, so früh wie möglich einen Eingriff vorzunehmen. Je weniger Fibrose da sei, umso einfacher wäre der Lymphknotentransfer. Mit anderen Techniken wie der Liposkulptur könne man das Verfahren gut kombinieren. Wichtig sei eine gute Ausbildung der Chirurgen, um für die Patienten das beste Ergebnis erzielen zu können. 

Thema des Vortrags von Prof. Dr. med. Hidehiko Yoshimatsu, Tokyo, „From Ultrasonography-assisted LVA to Lymphatic System Transfer: Our Surgical Armamentarium for Lymphedeme Treatment“, war die chirurgische Behandlung des Lymphödems, von der ultraschallbasierten LVA hin zum Lymphatischen Systemtransfer. Neben der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE), Medikation und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten gäbe es die Option der Lymphovenösen Anastomosen (LVA),  um ein Lymphödem kurativ und nachhaltig zu behandeln. Diese sei, ebenso wie die Lymphknotenlappentransplantation, eine Behandlungsoption zusätzlich nach der KPE. Die KPE sei immer die Therapie erster Wahl. Solange es funktionelle Lymphgefäße gäbe, führe Prof. Hidehiko Yoshimatsu eine LVA durch. Er nutze immer präoperativ Ultraschall, um die Venen zu visualisieren und die besten Stellen für eine Anastomose zu finden. Falls keine da seien, empfehle er einen Lymphknotentransfer.  
Bei der LVA könne bei 80% der Patienten*innen bereits nach einem Tag postoperativ eine Verbesserung gesehen werden. Beim Lymphknotentransfer trete diese Verbesserung graduell ein – nach 6 Monaten sei die Veränderung robust. Kompression empfehle er 1 Monat nach Lappentransfer – der Goldstandard sei immer die KPE. 

OA. Dr. Peter Mallinger, Klagenfurt, stellt das Projekt KABEG, eine Zusammenarbeit der Kliniken Wolfsberg und Klagenfurt am Wörthersee vor. Es handle sich um eine Kooperation mit der Chirurgie bei Spätfolgen von lymphologischen Erkrankungen mit dem Ziel, das Zusammenspiel zwischen konservativer, operativer und postoperativ wieder konservativer Therapie zu verstärken. OA. Dr. Mallinger erläuterte das Behandlungsschema und stellte Patientenfälle aus der Supermikrochirurgie vor, wo beispielsweise eine durchgeführte LVA auch zu einer subjektiv von den Patienten wahrgenommenen Verbesserung geführt hätte. In Zukunft sollte sich das Zusammenspiel aus konservativer/operativer und anschließend konservativer Behandlung als ideale Vorbereitung und Nachbetreuung der Patienten etablieren. Patienten sollten in einem ganzheitlichen Therapiekonzept auch in der Lymphklinik in Wolfsberg mikrochirurgisch behandelt werden können. 

Prof. Jean-Paul Belgrado, PhD, Brüssel, referierte zum Thema „Lipofilling of the axilla in the treatment of breast cancer related lymphoedema, Outcome-Data“.  
Lipofilling in der Achselhöhle sei ein einfacher Weg, um die Symptome von brustkrebsbedingten Lymphödemen zu reduzieren. Die Inzidenz dieser Lymphödeme liege bei 15%, wovon manche aufgrund der Brustkrebsbehandlung nicht therapiert werden könnten. Prof. Belgrado erklärte die Funktion und den Aufbau der axillären Venen und erklärte, wie sekundäre Lymphödeme generell entstehen und wie man sie erkennen könnte. Genauer beschrieb er die sieben klinischen Zeichen, an denen man erkennen könne, ob es sich um ein sekundäres Lymphödem handle (Drucktest an den Händen, Form des Ödems, tiefe Axillarhöhle, etc.). Nach der Identifizierung eines Lymphödems könne ein chirurgischer (eventuell auch minimalinvasiver Eingriff) durchgeführt werden wie z.B. Lipofilling der Axilla.  
Bei einem Tag Klinikaufenthalt könne nach Identifizierung anhand der sieben klinischen Zeichen eine Adhäsiolyse durchgeführt werden. Mit Hilfe des Dopplers können die axillare Vene gefunden werden, in einem Tunnel direkt unter der Vene könnten dann die Fettzellen platziert werden. Der Eingriff hätte keine Nachteile und Nebenwirkungen sowie keine erneute Ödembildung zur Folge.  


Dott. Allessandro Busetto, Venedig, deckte das Spektrum der MLVA (multiple lympho-venöse Anastomose) und LVA-Technik in seinem Vortrag „Lymphoedema-patient selection for different surgical techniques in Italy, long-term results“ ab. Es fasste aus den zwei durchgeführten Studien, die er vorstellte, zusammen, dass fast jedes chirurgische Versagen mit Faktoren, wie der Verwendung von ineffizienten Lymphgefäßen, zusammenhänge. LVA und MLVA seien wirksame chirurgische Optionen für die Therapie von Lymphödemen. Mindestens 65% der Patient*innen hätten von einer Linderung der Symptome berichtet. Die Ergebnisse seien noch schwer zu validieren, da immer noch ein anerkanntes Lymphödem Messsystem fehle. Das sei eine der Challenges, die man gemeinsam meistern müsse. „Wir haben Erfahrungen gesammelt und können sagen, dass nicht alle Lymphödeme gleich sind und so die Ätiologie und die Pathogenese die Richtlinien für eine korrekte Therapie sein sollten“, führt Dott. Alessandro Busetto aus. Proximale MLVA würde besser funktionieren und sei nachhaltiger als eine distale LVA. Microanastomosen könnten sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auch verschließen, was eine mögliche erneute Intervention nötig mache. In jedem Fall sei die primäre Prävention mit der LYMPHA-Technik die beste Möglichkeit. Einen Ausblick gab Dott. Busetto, dass darüber nachgedacht werde ein neues Protokoll für die cellulare Regulation durchzuführen. Sofern hier positive Effekte auf primäre oder sekundäre Lymphödeme beobachtbar seien, werde er darüber berichten. 

In einem weiteren Vortrag „ICG-guided decisions in conservative and surgical treatment of Lymphoedema – what`s new?“ gab Prof. Jean-Paul Belgrado, PhD, Brüssel, einen Einblick in die ICG-Prinzipien bei konservativen und chirurgischen Eingriffen. Die Injektion von Indocyaningrün intradermal helfe dabei, oberflächige Lymphgefäße sichtbar zu machen. Wenn man die tiefen Lymphgefäße erfassen wollte, müsse ein zweites Mal subkutan ins Gewebe injiziert werden. Um die Stadien des Lymphödems bestimmen zu können, sei es wichtig zu beobachten, ob das ICG in den Gefäßen bleibe oder in das System eindringe. Wenn der Druck nicht so hoch sei, könne die Flüssigkeit frei in den Bahnen fließen und auch im initialen lymphatischen System verbleiben. Sobald der Druck steige, fließe der Farbstoff in die extrazelluläre Matrix ab (Stardust-Muster). Auf jeden Fall müsse immer zuvor getestet werden, ob eine Lymphbahn bzw. der Kollektor, welcher genutzt werden soll, eine funktionsfähige Klappe habe. 

Wolfsberg 6.1 war ein voller Erfolg  

Zusammenfassend forderte Prim. Dr. Christian Ure, dass den Patienten nicht vorrangig neue und populäre Operationstechniken nahegebracht werden sollten, sondern solche, die nachhaltig ein positives Ergebnis lieferten. Der Austausch über Patientenfälle und Langzeiterfahrungen soll den empfehlenden Ärzten und Therapeuten als Rat dienen. 

Die Veranstaltung überzeugte erneut durch ein Aufgebot an international renommierten Referent*innen und Teilnehmer*innen.  
Prim. Dr. Christian Ure kündigte bereits den nächsten Lymphkliniktag Wolfsberg am 22. und 23. April 2022 an, der als hybride Veranstaltung mit Präsenz- und online Teilnahme geplant ist und als Jubiläumskongress anlässlich 20 Jahre Lymphklinik Wolfsberg stattfinden wird. 


Mehr zu den Veranstaltungen der Akademie finden Sie unter juzo.de/akademie
 

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