DE
  • International

  • English Version EN

15. Bochumer Lymphtag

Die Lymphologie: Vielfältig und nicht immer eindeutig – Ursachen, Diagnostik und individuelle Therapie 

Am Samstag, den 31. Januar 2026, fand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Markus Stücker und der Moderation des Tages durch Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely der 15. Bochumer Lymphtag in der Jahrhunderthalle Bochum statt. Das Symposium widmete sich erneut dem komplexen Spektrum lymphologischer Krankheitsbilder – einem Themenfeld, das durch seine Vielzahl an Ursachen und individuellen Ausprägungen besondere diagnostische und therapeutische Herausforderungen mit sich bringt. Gleichzeitig bot die Veranstaltung einen umfassenden Einblick in moderne Erkenntnisse, neue Behandlungskonzepte und aktuelle Forschung.

I. Vielfalt in Diagnostik und Therapie

Den Auftakt gestaltete Prof. Dr. rer. nat. Dieter Blottner, der das sogenannte glymphatische System – das Lymphsystem des Gehirns – in den Fokus rückte. Strukturen und Funktionen dieses noch jungen Forschungsbereichs gewinnen zunehmend an Bedeutung, da Störungen im glymphatischen Abfluss möglicherweise eine Rolle bei neurovaskulären und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Schlaganfällen oder Tinnitus spielen könnten. Anschließend demonstrierte Prof. Dr. med. Claus C. Pieper die Fortschritte bildgebender Verfahren in der Lymphologie. Besonders die MR‑Lymphangiographie ermögliche es, auch unauffällige, tief liegende Lymphödeme sichtbar zu machen. Pieper betonte jedoch, dass eine Kombination verschiedener Verfahren essenziell sei, um sowohl funktionelle als auch anatomische Aspekte zuverlässig beurteilen zu können.

Wie individuell therapeutische Ansätze heute gestaltet werden können, verdeutlichte PD Dr. med. Max Liebl. Er präsentierte die Vorteile Medizinischer adaptiver Kompressionssysteme (MAKs), die die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie flexibilisieren und durch ihre Anpassungsfähigkeit eine hybride Erhaltungstherapie ermöglichen. Zudem ging Liebl auf mögliche Zusammenhänge zwischen Tätowierungen und lymphologischen Veränderungen ein – ein Feld, in dem es zwar noch keine klaren Daten gebe, französische Studien jedoch erste Hinweise auf Anomalien bei tätowierten Probanden lieferten.

Physiotherapeutin Eva-Maria Streicher erläuterte Besonderheiten der Entstauungstherapie bei Kindern. Vor allem der Kompressionsdruck müsse exakt an kleinere Umfänge angepasst werden. Ehem. Prim. Dr. med. Christian Ure hob die Bedeutung fundierter Patientenaufklärung hervor – ein Aspekt, der auch in den neuen S3-Leitlinien fest verankert sein werde.

II. Bandbreite der Medizinischen Fächer

Mit internistischen Ursachen von Ödemen befasste sich Dr. med. Sören Sörensen. Herz- und Nierenerkrankungen seien ebenso häufige Auslöser wie medikamenteninduzierte Ödeme. Univ.-Prof. Dr. med. Frank Siemers ergänzte den Themenblock um das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS), bei welchem ebenfalls Schwellungen auftreten könnten. Zwar erzielten multimodale Ansätze und ein frühzeitiger Rehabilitationsbeginn gute Erfolge, doch sei Kompression für viele Betroffene zu schmerzhaft – alternative Therapien seien daher dringend notwendig.

III. Onkologie und Lymphödem

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Lymphödemen im onkologischen Kontext, insbesondere nach Mammakarzinom Behandlungen. Dr. med. Clemens Liebrich wies darauf hin, dass über die Hälfte der Patientinnen nach gynäkologischer Krebschirurgie ein Lymphödem entwickelten. Interdisziplinäre Therapie sei daher unverzichtbar. Dr. med. Ines Tinhofer empfahl hybride chirurgische Verfahren zur kombinierten Behandlung von Lymphödemen nach Brustkrebs.

Prof. Dr. med. Christian Baues zeigte Chancen moderner Radiotherapie auf, die dank präziserer Geräte zunehmend ohne Bestrahlung der Lymphknoten auskomme. Prof. Dr. med. Birgit Kahle sprach über operative Eingriffe bei Malignomen der Haut im Kontext eines Lymphödems und bekräftigte: „Tumorexzision im Lymphödem ist wichtig und richtig.“ Für Begleiterkrankungen wie Varikosen und zur besseren Wundheilung bei Lymphödempatientinnen und Patienten empfahl sie minimalinvasive Maßnahmen wie die Sklerotherapie.

IV. Lymphologische Fallbesprechung & aktuelle Forschungsergebnisse

Ein besonderes Highlight bildeten die lymphologischen Fallbesprechungen, vorgestellt von Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely und PD Dr. med. Epameinondas Gousopoulos, MSc, PhD. Zudem präsentierte Martin Morand seine IPK‑Plus‑Methode, die klassische intermittierende pneumatische Kompression (IPK) mit Schaumstoffmodulen kombiniert, um Druckverteilung und Effektivität zu verbessern. Anschließend stellte Cornely die Ergebnisse der G‑BA‑LipLeg‑Studie vor und zeigte neue Perspektiven für Lipödem-Betroffene auf.

Zum Abschluss präsentierte die Juzo Innovationspreisgewinnerin und der Gewinner 2025 ihre Projekte: Charlotte Kemper ihrer Arbeit zur genetischen Forschung beim primären Lymphödem und Gousopoulos seine Forschung zur medikamentösen Vorbeugung von Lymphödemen.

Cornely fasste das Symposium treffend zusammen: „Wir haben im Gehirn begonnen – vielfältig, komplex und nicht immer eindeutig. Von dort haben wir durch die gesamte Breite der Medizin das Lymphödem betrachtet und haben gleichzeitig gesehen, dass nicht immer das, was klar erscheint, wirklich klar ist.“ Er verabschiedete die Teilnehmenden mit einer Einladung zum 16. Bochumer Lymphtag am 30. Januar 2027.

Julius Zorn GmbH

Juzo mit Hauptsitz im bayerischen Aichach wurde 1912 in Zeulenroda (Thüringen) gegründet und beschäftigt weltweit über 1.100 Mitarbeitenden. Mit der Schwesterfirma in den USA und den verschiedenen Tochterfirmen und Vertriebsorganisationen in Europa und Kanada bedient der Hersteller medizinischer Hilfsmittel einen internationalen Markt. Als Spezialist mit über 100 Jahren Erfahrung in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dafür produziert das Unternehmen innovative Produkte – größtenteils „Made in Germany“ – aus den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie wie Kompressionsversorgungen in Rund- und Flachstrick sowie Bandagen und Orthesen. Neben den Produkten der Fachhandels-Marke Juzo gibt es die Juzo Akademie mit Fortbildungen für den medizinischen Fachhandel, die Marke sportomedix mit hochfunktionellen Produkten für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler und die Marke EquiCrown mit medizinischen Kompressionsbandagen für Pferde. Mit Hightech, Handarbeit und Herzblut arbeiten die Mitarbeitenden bei Juzo an innovativen und individuellen Lösungen für mehr Lebensfreude in Bewegung. Weitere Infos unter juzo.de

Mediathek

Downloads

Weitere interessante Mitteilungen

Kategorien