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6. Symposium der modernen Handchirurgie

Am 19. und 20. November 2021 veranstaltete Juzo das 6. Symposium der modernen Handchirurgie als Präsenz-Veranstaltung in Berlin.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Michael Lehnert, Berlin, und Dr. med. Andreas Englert, München, berichteten namhafte Referent*innen über Goldstandards und Innovationen aus dem handchirurgischen Fachbereich. 

In gewohnter Weise wurde der erste Tag der Veranstaltung für die wissenschaftlichen Vorträge genutzt, um dann am zweiten Tag im chirurgisch-anatomischen Trainingszentrum der Charité an anatomischen Präparaten vermittelte Techniken in die Praxis umzusetzen und zu vertiefen. Auf der handchirurgischen Agenda standen unter anderem Themen wie Gelenkersatz, Rettungsoperationen sowie Stoßwellentherapie und ergotherapeutische Möglichkeiten. 

Die Bedeutung der Nord-Süd-Achse „Berlin-München“ wurde von Dr. Lehnert besonders hervorgehoben. Die Qualität und Akzeptanz spiegelte sich in der gestiegenen Teilnehmerzahl und regionalen Vielfalt wieder. 

Einblicke in die neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse 

Privatdozent Dr. med. Elias Volkmer, München, eröffnete das Symposium mit einem Vortrag zum Thema „Ulnaverkürzungsosteotomie“, die nach der gezielten Diagnose eine Verbesserung für Patient*innen darstelle. Generell solle man vermeiden, dass zu viel gekürzt werde, um Pseudoarthrosen zu vermeiden. Die Weiterentwicklung von Plattenmaterial, die Optimierung von OP-Techniken sowie ein Abwägen von unterschiedlichen Rigiditäten würden dabei helfen ein positives Ergebnis zu realisieren.  

Prof. Dr. med. Karsten Knobloch, Hannover, sprach bildhaft zu den Möglichkeiten des gezielten Einsatzes der Stoßwellentherapie in der Handchirurgie. Der positive Effekt der Stoßwellen auf unterschiedliche Strukturen in der Hand wurde anhand von vielen Beispielen dargelegt. Gerade bei Pseudoarthrosen konnten mehrfach gute Ergebnisse erzielt werden. 

Verschiedenen Konzepten bei der Behandlung von Morbus Dupuytren widmete sich Dr. med. Michael Lehnert, Berlin. Er gab einen historischen Abriss von der erstmaligen Beschreibung im Jahr 1777 von Henry Cline und Sir Astley Cooper bis zur Vorstellung der nach Baron Guillaume Dupuytren (1777–1835) benannten Erkrankung im Jahr 1832 in Paris. Anschließend stellte er die Erfahrungen der letzten zehn Jahre aus der Behandlung der Erkrankung mit dem Kollagen abbauenden Medikament Xiaplex vor. Positive Effekte der aktuell eingesetzten Behandlungsmethoden wurden auch hervorgehoben, dabei sei jedoch der richtige Zeitpunkt für die unterschiedlichen Verfahren ausschlaggebend. Es solle auch keine Operation ohne Behandlungsmanagement stattfinden, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. 

Dr. med. Manfred Karl Körner, Berlin, setzte seinen Schwerpunkt auf neue Behandlungskonzepte von Morbus Dupuytren. Durch eine gezielte Strahlenbehandlung seien gute Ergebnisse möglich. Außerdem sei die Strahlentherapie eine gute ergänzende Maßnahme, welche zur Verbesserung der Erfolge beitrage. 

Susanne Bitzer, Berlin, zeigte „Ergotherapeutische Möglichkeiten in der Handchirurgie“ auf und betonte mehrfach wie wichtig eine Frühmobilisierung in der Nachbehandlung aus therapeutischer Sicht sei. Sie ging auf das Bewegungsgedächtnis und den Verlust der motorischen Intelligenz ein. Bereits nach zwei Tagen sei diese motorische Fähigkeit rückläufig und müsse erst wieder erarbeitet werden. Die Bedeutung entstauender Maßnahmen war ein zentrales Thema in der anschließenden Diskussionsrunde.   

Dr. med. Tobias Topp, Berlin, gewährte Einblicke in die Versorgung von Scaphoidpseudarthrosen. Er gab eine Beschreibung und ein Behandlungsupdate zu den Folgen von nichtbehandelten Scaphoidfrakturen und den daraus resultierenden Problemstellungen. Er verwies darauf, dass es sich bei Frakturen der Handwurzel in 80% der Fälle um Scaphoidfrakturen handele. 50% dieser Brüche würden primär nicht erkannt, 10% führten zu Problemen. Eine gezielte Ruhigstellung durch eine Lagerung habe leider durch die Vielzahl der Gelenkflächen (sogenannter mobiler Knochen) und die Position des Kahnbeins eine eher geringe Erfolgsaussicht. Die verschiedensten Stadien dieser Abnutzung könnten von Spontanheilung über eine Arthrose bis hin zu einer Teilversteifung/Versteifung führen. 

Prof. Dr. med. Martin Jung, München, gab in seinem Vortrag „Gelenkersatz in der Handchirurgie“ einen anschaulichen Überblick über mögliche endoprothetische Techniken sowie über klassische bis hin zu modernsten Implantaten im Bereich der Handchirurgie. Für eine genaue Auswertung der Qualität fehle es allerdings an Studien mit größeren Fallzahlen sowie an Langzeitstudien. Ziel der Endoprothetik im Bereich der Hand sei es immer eine Verbesserung der Ausgangssituation zu erzielen. 

Discuschirurgie offen versus arthroskopisch war Thema des Vortrags von Dr. med. Maryam Wickert, Berlin. Sie erläuterte das Vorgehen am Beispiel der Verletzungen am TFCC (triangulärer fibrokartilaginärer Komplex), einer knorpelartigen Struktur, die sich im Handgelenk befindet. Die Arthroskopie sei der Goldstandard zur Bestätigung und Klassifizierung einer TFCC Ruptur und ihrer Begleitverletzungen, wobei die korrekte Diagnose der TFCC Verletzung und Begleitverletzungen/-erkrankungen der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie sei. Offene oder arthroskopische Operationen seien beide verlässliche Operationen, um den ulnokarpalen Schmerz und das Drug (das sogenannte distale Radioulnargelenk) zu behandeln. 

Dr. med. Andreas Englert, München, beendete die Vortragsreihe mit einem anschaulichen Vortrag zum Thema „Rettungsoperationen in der Handchirurgie“. Hierbei stand im Vordergrund, dass es viele Verfahren gäbe, die oftmals zwar vordergründig, aber in der Langzeitbetrachtung nicht zwingend eine Verbesserung der Funktionalität darstellten. Hier wurde auch zu bedenken gegeben, dass eine teilversteifende Technik oftmals zu einer verbesserten Funktionalität beitragen könne, auch bei handwerklichen Berufen, und dies durchaus eine Lösung biete. Die sorgfältige Betrachtung der individuellen Gegebenheiten sowie die Ansprüche an die zu erhaltende Nutzung definierten die Möglichkeiten der Operationstechniken. Funktionalität solle bei all diesen Betrachtungen zum Wohle der Patient*innen immer berücksichtigt werden. 

Raum für Diskussion, Vernetzung und einen interdisziplinären und interprofessionellen Wissenstransfer. 
Das Symposium gab Einblicke in die Möglichkeiten und Perspektiven der modernen Handchirurgie und überzeugte durch seine hochkarätige Besetzung von Referent*innen und Teilnehmenden. 
Am Freitag waren 115 Teilnehmende und beim anatomischen Workshop am Tag darauf 55 Teilnehmer*innen dabei. Die wissenschaftlichen Leiter kündigten bereits mit großer Freude das nächste Handsymposium für 18. und 19. November in Berlin an.  

Mehr zu den Veranstaltungen der Akademie finden Sie unter juzo.de/akademie

Bilder: Juzo 

Julius Zorn GmbH

Juzo hat weltweit über 1.000 Mitarbeiter, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Als Spezialist in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dazu werden stetig neue und  intelligente Produkte entwickelt, um den individuellen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden und den Therapieerfolg zu sichern. Dieses Ziel wird bereits seit über 100 Jahren verfolgt und es wird stets nach neuen Lösungen in den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie gesucht. Jeden Tag aufs Neue arbeiten die Mitarbeiter bei Juzo daran, das Unmögliche möglich zu machen für mehr Lebensfreude in Bewegung.

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