3. Internationale Földiklinik-Tage Hinterzarten
Lymphologie im Schwarzwald

Am 19. und 20. Juni 2026 fanden im Schwarzwald die 3. Internationalen Földiklinik-Tage unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Tobias Bertsch und Guenter Klose statt. Mit über 400 Teilnehmenden aus 26 Ländern, einem hochkarätigen internationalen Referentenkreis und mehr als zehn praxisnahen Workshops bot die Veranstaltung eine bedeutende Plattform für interdisziplinären Austausch, internationale Vernetzung und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in der Lymphologie.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) und ihren vielfältigen Einsatzgebieten. Dr. med. Hans-Walter Fiedler stellte die zentrale Rolle der KPE in der Behandlung venöser Ulzera heraus und betonte den Zusammenhang mit phlebolymphostatischer Insuffizienz. Sein Ansatz verdeutlichte, dass die konsequente Ödemtherapie eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Ulcusbehandlung darstellt. Dr. med. Simon Classen beleuchtete die besonderen Herausforderungen der Ödemdiagnostik und -therapie bei Diabetes mellitus und kritisierte bestehende Defizite in der klinischen Praxis, insbesondere im Hinblick auf Anamnese und körperliche Untersuchung. Joy Macheel, PT, DPT, CWS, CLT-LANA, PhD Candidate, ergänzte diesen Themenblock um praxisnahe Empfehlungen zur aktiven Patientenbeteiligung und unterstrich die zentrale Rolle von Bewegung sowie Atemübungen als integrale Bestandteile der Therapie.
Vertiefende Einblicke in die Manuelle Lymphdrainage (MLD) gab Klose, der die Bedeutung einer individuell angepassten Behandlung hervorhob. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere bei fibrotischem Gewebe ein gezielter, differenzierter Druckeinsatz entscheidend für den Therapieerfolg sein kann. Thomas Zähringer zeigte ergänzend die Möglichkeiten der intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) auf, die individuell angepasst im häuslichen Umfeld die Selbstständigkeit der Betroffenen fördern könne. Prof. Dr. med. Sebastian Berlit stellte das ERAS-Konzept in der gynäkologischen Onkologie vor und verwies auf die Relevanz minimalinvasiver Verfahren zur Reduktion postoperativer Komplikationen – einschließlich der Prävention sekundärer Lymphödeme. Konstantinos P. Asmatzis richtete den Blick auf die Versorgungssituation in Griechenland und zeigte mit der von ihm gegründeten Initiative APLESO, wie ehrenamtliche Zusammenarbeit strukturelle Versorgungslücken nachhaltig verbessern könne.
Ein weiterer Themenblock widmete sich dem Lipödem und dessen differenzierter Betrachtung. Dr. Melanie Thomas, MBE, DProf., FCSP, plädierte für die Verwendung des Begriffs „Lipalgia“, um den Schmerzcharakter der Erkrankung stärker hervorzuheben und Missverständnisse in der Therapie zu reduzieren. Gabriele Erbacher und Dr. Bertsch beschrieben den komplexen Behandlungsbedarf vieler Patientinnen und betonten die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Therapieansatzes, der körperliche und psychische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt, insbesondere vor dem Hintergrund psychischer Belastung und hoher Adipositasraten. Dr. med. Francesco Greco diskutierte die Rolle bariatrischer Verfahren und ordnete diese als möglichen Baustein in ein multimodales Therapiekonzept ein. Hildur Skuladottir, MD, PhD, verdeutlichte die besondere Stellung der Liposuktion als schmerzlindernde Maßnahme bei Lipödem und nicht primär als ästhetischen Eingriff. Diese Einschätzung wurde von Dr. med. Axel Baumgartner unterstrichen, der die Einbettung der Liposuktion in ein langfristiges, interdisziplinäres Behandlungskonzept hervorhob.
Die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Lymphödemtherapie stand im Mittelpunkt des abschließenden Themenblocks. Dr. med. Michael Oberlin, Prof. Dr. med. Claus C. Pieper und Prof. Dr. med. Christian Taeger verdeutlichten anhand klinischer Fallbeispiele den Stellenwert moderner Bildgebung für fundierte Therapieentscheidungen. Sie zeigten auf, wie wichtig es sei, konservative und operative Therapieverfahren nicht isoliert, sondern komplementär zu betrachten und individuell auf die Patientensituation abzustimmen.
Einen zukunftsweisenden wissenschaftlichen Impuls setzte Dhruv Singhal, M.D., der die Bedeutung der Darstellung der lymphatischen Anatomie hervorhob. Seine Ausführungen machten deutlich, dass individuelle anatomische Variationen eine entscheidende Rolle für die Entstehung eines Lymphödems spielen könnten und damit neue Ansätze für Prävention und personalisierte Therapie ermöglichten. Ergänzend hob Christoffer V. S. Nissen, PhD, die Bedeutung von Ausdauer und Konsequenz in der Kompressionstherapie hervor. Anhand eines eindrucksvollen Fallbeispiels eines ausgeprägten Lymphödems zeigte er, dass auch bei schweren Verläufen durch eine konsequent und langfristig durchgeführte Kompressionstherapie bemerkenswerte Behandlungserfolge erzielt werden könnten. Sein Appell richtete sich insbesondere an Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Physiotherapeutinnen und -therapeuten, die Therapie auch in herausfordernden Situationen konsequent weiterzuführen und Patientinnen und Patienten nachhaltig zu motivieren.
Die nächsten Internationalen Földiklinik-Tage finden am 19. und 20. Mai 2028 statt.
Julius Zorn GmbH
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