Knieschmerzen
Haben auch Sie Schmerzen im Knie?
Rund jeder Achte in Deutschland ist von Knieschmerzen betroffen. Gehören Sie auch dazu?
Bei jedem Schritt, jeder Beinbewegung und selbst in Ruhephasen – das Kniegelenk steht jeden Tag unter mehr oder weniger schwerer Belastung, die oft ein Vielfaches des Eigengewichtes betragen kann. Untersuchungen zeigten, dass beim Treppensteigen das Dreifache des Körpergewichts auf dem Kniegelenk lastet.1 Beim Hocken oder im Knien wirkt eine Anpresskraft von 80 bis 100 % des Körpergewichts auf die Patella. Zudem können beim Aufstehen Gelenkkräfte von rund 400 % des Körpergewichts an der Patella entstehen.2
Knieschmerzen sind immer eine Warnung. Das Knie ist eines der verletzungsanfälligsten Gelenke des Körpers und trotz seiner Größe sehr empfindlich. Die Symptome von Kniebeschwerden sollten deshalb immer ernst genommen werden. Werden sie lange Zeit ausgeblendet, zu spät oder falsch behandelt, können Folgeschäden im Kniegelenk auftreten, die zu starken und andauernden Beschwerden führen können. Bei anhaltenden Knieschmerzen sollten Sie demzufolge immer ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, um eine Ursache frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Werden Sie daher noch heute aktiv! Unterstützen Sie Ihr Kniegelenk, um Schmerzen zu verhindern oder diese vorzubeugen.
1Quelle: Duda et al. 2011, AE-Manual der Endoprothetik,
2Quelle: Glitsch et al. 2009, Belastung des Kniegelenks beim Knien und Hocken

Das Knie
Dreh- und Angelpunkt unserer Mobilität
Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist das größte Gelenk im menschlichen Körper. Es sorgt für Stabilität im Stand, federt das Körpergewicht ab und ist in fast jeden Bewegungsablauf eingebunden. Was das Knie alles leistet, fällt häufig erst auf, wenn Schmerzen auftreten, die die Bewegung einschränken.
Als sogenanntes Dreh-Scharnier-Gelenk erlaubt das Knie Bewegungen in zwei Richtungen: Zum einen Beugen bzw. Strecken des Beines, zum anderen die Möglichkeit, den Unterschenkel im gebeugten Zustand leicht nach außen oder innen zu drehen. Der Aufbau des Kniegelenks ist sehr komplex, was eine hohe Anfälligkeit für Verletzungen mit sich bringt.
Der Aufbau des Knies und seine Funktionen
Knöcherne Struktur
Im Knie verbinden sich drei Knochen miteinander: die beiden längsten Knochen des menschlichen Körpers, der Oberschenkel- (Femur) und Schienbeinknochen (Tibia) sowie die Kniescheibe (Patella).
Diese drei Knochen bilden zwei Gelenke: das Kniescheibengelenk (Articulatio femoropatellaris) zwischen Oberschenkel und Patella sowie das Kniekehlengelenk (Articulatio femorotibialis) zwischen Oberschenkel und Schienbeinkopf (Caput tibiae). Oberschenkel- und Schienbeinknochen besitzen an ihren aufeinandertreffenden Enden walzenförmige, mit Knorpel überzogene Gelenkkörper, die die reibungsarme Roll-Gleitbewegung des Kniegelenks und damit einen geschmeidigen Gang ermöglichen.
Da das Knie durch seine knöcherne Struktur sehr instabil ist, wird es durch Sehnen, Bänder, Muskeln und knorpelige Strukturen gesichert. Dies bringt die notwendige Stabilität des Gelenks nach allen Seiten und ermöglicht das aufrechte Stehen und Gehen.

Rechtes Knie, Ansicht von der Seite

Kniescheibe (Patella)
Kniescheibe (Patella)
Die Kniescheibe ist dreieckig geformt, an der Vorderseite leicht nach außen gewölbt und schützt die Vorderseite des Kniegelenks. Sie ist der Ansatzpunkt des Oberschenkelmuskels (M. quadriceps femoris) und ähnlich einer Umlenkrolle, für eine optimale Kraftübertragung der Muskulatur des Oberschenkels auf den Unterschenkel verantwortlich. Die Kniescheibe erleichtert so das Beugen und Strecken des Beines und dient zudem der Führung des Kniescheibenbands.

Kniekehle (Fossa poplitea)
Kniekehle (Fossa poplitea)
Durch die Kniekehle (Fossa poplitea) verlaufen wichtige Blutgefäße und Nerven, die den Unterschenkel versorgen.

Menisken (Menisci)
Menisken (Menisci)
Da die Gelenkkörper von Ober- und Unterschenkelknochen nicht direkt ineinanderpassen, liegen knorpelige Strukturen, die Menisken, dazwischen. Die Menisken (Innen- und Außenmeniskus) dienen zum einen dazu, die Auflagefläche der beiden Gelenkflächen zu vergrößern. Zum anderen fungieren sie als Stoßdämpfer. Die Faserknorpelscheiben können harte Stöße abfedern, starke Belastungen auf das Kniegelenk ausgleichen und belastendes Gewicht gleichmäßig verteilen. Das bietet zusätzlichen Schutz für die Gelenkflächen.

Schleimbeutel
Schleimbeutel
Die Schleimbeutel sind elastische, mit Flüssigkeit gefüllte, bewegliche Polster, die zur Verminderung von Reibung und Druck zwischen den sich bewegenden Muskeln, Sehnen und Knochen liegen.
Bänder und Sehnen
Zusätzlich zu den Menisken wird das Knie durch komplexe und feste Bandstrukturen, die sogenannten Ligamente, geschützt. Gemeinsam mit den Sehnen sind sie für die exakte Führung des Kniegelenks zuständig und stabilisieren es zusammen mit der Muskulatur. Sie bestehen aus festen Bindegewebsfasern und besitzen kaum Blutgefäße oder Nerven. Daher ist die Regenerationsfähigkeit eingeschränkt.

Rechtes Knie, Ansicht von vorne

Seitenbänder (Lig. collaterale)
Seitenbänder (Lig. collaterale)
Um eine Verschiebung in seitlicher Richtung zu verhindern, wird das Kniegelenk durch das innere und äußere Seitenband stabilisiert.

Kreuzbänder (Lig. cruciata genus)
Kreuzbänder (Lig. cruciata genus)
Besonders wichtig zur Stabilisierung des Kniegelenks sind die Kreuzbänder, die im Inneren des Gelenks liegen. Sie verhindern eine Verschiebung von Oberschenkel- und Unterschenkelknochen nach vorne oder hinten und schränken die Rotation ein.

Kniescheibensehne (Patellasehne) (Lig. patellae)
Kniescheibensehne (Patellasehne) (Lig. patellae)
Die Patellasehne verbindet den Unterschenkel mit der Kniescheibe und sorgt dafür, dass diese exakt geführt wird. Über die Kniescheibe stellt sie außerdem die Verbindung der großen vorderen Oberschenkelmuskulatur mit dem Schienbein dar.
Ursachen für Knieschmerzen
Verletzungen und Erkrankungen des Knies
Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden regelmäßig an Knieschmerzen. Die Ursachen für diese Schmerzen sind vielfältig.
Auslöser können sein:
- Akute unfallbedingte Verletzungen wie Knochenbrüche, Kapselverletzungen, Verletzungen der Bänder, Menisken und Knorpel. Die Zahl der Knieverletzungen macht rund ein Viertel aller Sportverletzungen aus und nimmt auf Grund der mangelnden körperlichen Fitness stetig zu.
- Entzündungen und rheumatoide Erkrankungen wie Arthritis, Rheuma, Schleimbeutelentzündung, Baker Zyste und Morbus Bechterew gelten als häufige Ursachen für Knieschmerzen.
- Stoffwechselerkrankungen oder Blutkrankheiten wie Gicht, Pseudogicht, Eisenspeicherkrankheit oder die Bluterkrankheit können ebenfalls Knieprobleme auslösen.
- Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen wie Meniskusschäden und Gonarthrose führen ohne dauerhafte Behandlung häufig zu chronischen Beschwerden.
- Überbelastungen und Fehlstellungen wie Kniescheibenhochstand, Patellalateralisation, X- oder O-Beine sind Ursachen für das Patellofemorale Schmerzsyndrom, das Patellaspitzensyndrom (auch Springerknie oder Jumpers Knee), Morbus Osgood-Schlatter sowie das bekannte Läuferknie (Runners Knee).
- Auch erbliche Faktoren und Autoimmunerkrankungen wie chronische Polyarthritis, Lupus erythematodes, Osteochondrosen, Patelladysplasie oder das Ehlers-Danlos-Syndrom sind mögliche Auslöser von Knieschmerzen.
Äußerlich können sich Knieschmerzen durch Schwellungen, Rötungen oder Blutergüsse bemerkbar machen, ziehende oder stechende Schmerzen sind dann teilweise bei jedem Schritt spürbar.
Die Bereiche an denen die Schmerzen am deutlichsten auftreten, können bereits erste Aufschlüsse darüber geben welche Krankheitsbilder ursächlich in Frage kommen können.
Die folgende Übersicht ist nach der Lokalisation des Schmerzes geordnet und dient lediglich als erste Informationsquelle und unverbindliche Orientierungshilfe.
Lokalisation: Wo treten die Knieschmerzen auf?
Welche Möglichkeiten gibt es zur Behandlung von Knieschmerzen?
Bandagen und Orthesen zur Entlastung und Stabilisierung
Juzo bietet ein umfangreiches Spektrum an spezialisierten Hilfsmitteln für zahlreiche unterschiedliche Indikationen.
Kniebandagen
Kniebandagen unterstützen das Kniegelenk bei Verstauchungen oder Prellungen, nach Operationen, oder bei speziellen Fehlstellungen. Durch die Kombination verschiedener innovativer und ausgereifter Stricktechniken bieten die Kniebandagen von Juzo eine herausragende Passform. Die genutzten hoch funktionellen Materialien leiten Feuchtigkeit besonders schnell vom Körper weg. Für Sie bedeutet das höchsten Tragekomfort, bei optimalem Sitz und maximaler Bewegungsfreiheit.

Knieorthesen
Knieorthesen ermöglichen es noch stärker in die jeweiligen Bewegungsabläufe einzugreifen, als es mit flexiblen Kniebandagen möglich ist. Durch starre Elemente kann das verletzte Kniegelenk entlastet, stabilisiert und geführt werden. Außerdem ist es möglich, ausschließlich Bewegungen in einem individuell definierbaren Radius zuzulassen oder das Gelenk komplett ruhigzustellen. Orthesen lassen sich ganz nach Bedarf den Erfordernissen der Therapie anpassen und helfen so dabei, das gewünschte Behandlungsziel zu erreichen.

Medikamente gegen Knieschmerzen
Treten die Knieschmerzen nur temporär auf, lassen sie sich zeitlich begrenzt auch mit Schmerzmitteln behandeln. Einige Präparate wirken Entzündungen und Schwellungen entgegen. Es gibt sie in Tablettenform, als Schmerzpflaster und als Salben oder kühlende Gels. Es ist jedoch in jedem Fall sinnvoll, die Ursache der Schmerzen ärztlich abklären zu lassen.
Physiotherapie bei Knieschmerzen
Bei einem ganzheitlichen Behandlungskonzept bei Schmerzen im Knie ist die Physiotherapie ein fester Bestandteil. Die Physiotherapie umfasst bei Knieschmerzen sowohl aktive als auch passive Übungen. Das heißt Bewegungsabläufe, die Patientinnen und Patienten selbst durchführen und Übungen und Dehnungen, in denen die physiotherapeutische Fachkraft die Bewegungen führt und steuert. Neben akuten Fällen kommt die Physiotherapie auch im Rahmen der Prävention und Rehabilitation zum Einsatz.
Wärme- und Kältetherapie bei Knieschmerzen
Ob bei Knieschmerzen eher Wärme oder Kälte hilfreich ist, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Als Faustregel gilt, bei akuten Schmerzen und Entzündungen hilft in der Regel Kälte besser als Wärme. Die Kälte hat zudem eine abschwellende Wirkung und hemmt die Entzündung. Eis- oder Kühlkompressen sollten in ein dünnes Handtuch eingewickelt werden und nie direkt auf die Haut aufgelegt werden, um Erfrierungen zu verhindern. Bei chronischen Erkrankungen wie Arthrose hilft Wärme besser, denn durch die verbesserte Durchblutung werden Stoffwechselabfallprodukte und schmerzauslösende Produkte schneller abtransportiert.
Was Sie bei Schmerzen im Knie selbst tun können
Alltagstipps für stabile Knie
Zur ganzheitlichen Behandlung Ihrer Knieschmerzen sollten Sie selbst auch aktiv werden.
Regelmäßiges Training
Gesunde Beine mit starken, gedehnten Muskeln, Bändern und Faszien sind weniger anfällig für Knieprobleme und -schmerzen. Trainieren Sie deshalb regelmäßig die Koordination und Muskulatur Ihrer Beine mit knieschonenden Sportarten und absolvieren Sie spezielle Übungen zur Stärkung der Knie.
Bewegung vs. Belastung
Bewegung ist für ein gesundes Kniegelenk sehr wichtig. Achten Sie jedoch darauf, dass es sich um schonende Bewegungen handelt. Starke, einseitige und vor allem dauerhafte Belastungen sollten vermieden werden.
Schweres Tragen
Tragen Sie schwere Lasten nicht einseitig und achten Sie auf eine knieschonende Trageweise z. B. mit einem Rucksack.
Richtiges Schuhwerk
Die Schuhe tragen einen wichtigen Teil zu einem gesunden Knie bei. Ihre Schuhe sollten deshalb dämpfende Sohlen besitzen. Auch hohe Absätze können zu Problemen führen und sollten daher nur zeitlich begrenzt getragen werden. Orthopädische Einlagen können Fehlstellungen ausgleichen.
Gesunde Ernährung
Gesunde Ernährung ist das A und O. Jedes Kilo Übergewicht belastet auch Ihre Knie. Dabei ist es wichtig, Ihrem Körper genügend Ballaststoffe zu bieten und Zucker und Fett möglichst zu reduzieren.

Übungen zur Stärkung der Knie
Um die Beine und damit die Knie zu stärken oder die Rehabilitation nach einer Verletzung zu unterstützen, haben wir für Sie einige Übungen zusammengestellt. Diese können Sie problemlos umsetzen und am besten täglich in Ihren Alltag einbauen. Sollten Sie eine akute Verletzung haben, halten Sie bitte ärztliche Rücksprache und lassen Sie sich beraten, welche Übungen für Sie geeignet sind.
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