19.10.2026
13. Narbensymposium
Am 2. und 3. Oktober 2026 fand das 13. Narbensymposium unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Bernd Hartmann, Univ.-Prof. Dr. med. Marcus Lehnhardt und Univ.-Prof. Dr. med. Frank Siemers auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen statt. Mehr als 150 Symposiumsgäste nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch über modernste chirurgische Techniken und Therapiemaßnahmen in der plastischen und rekonstruktiven Medizin.

Ergänzt wurden die Fachvorträge am Freitag durch praxisnahe Workshops zur konservativen Narbentherapie sowie zur Behandlung von Brandverletzungen. Dabei erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, aktuelle Therapieansätze direkt an Fallbeispielen zu diskutieren und praktische Erfahrungen auszutauschen. Im Fokus standen insbesondere die individuelle Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen ärztlichen, therapeutischen und versorgenden Berufsgruppen.
Zum Auftakt der Veranstaltung gab Keynote Speaker Dr. med. Felix Reinkemeier, MHBA, einen Überblick über den aktuellen Stand und die Zukunftsperspektiven der Narbenrekonstruktion. Wurde die Narbe früher oftmals als Abschluss einer erfolgreichen Behandlung betrachtet, gilt die Narbentherapie heute als zentraler Bestandteil der Versorgung. Neben dem Erhalt der Hautfunktion stehen insbesondere die Prävention und Behandlung belastender Symptome wie Juckreiz oder Schmerzen im Fokus. Als Goldstandard gelten weiterhin konservative Verfahren wie Kompression, Silikonversorgung sowie Physio- und Ergotherapie. Gleichzeitig gewinnen operative Narbenkorrekturen und ästhetische Behandlungen, beispielsweise mittels Lasertherapie, zunehmend an Bedeutung.
I. Innovation und Forschung
Im ersten Themenblock stand die Bedeutung innovativer Technologien für die moderne Patientenversorgung im Mittelpunkt. PD Dr. med. Christoph Wallner, M.Sc., MHBA, PhD erläuterte, wie KI-gestützte Anwendungen künftig dabei unterstützen könnten, das Risiko einer Sepsis frühzeitig zu erkennen. Daran anknüpfend stellte Univ.-Prof. Dr. med. Lars-Peter Kamolz, M.Sc. aktuelle Forschungsansätze vor und betonte, dass die Zukunft der Narbenbehandlung insbesondere in der frühzeitigen Erkennung entzündlicher Prozesse sowie deren gezielter Steuerung liege.
II. Maligne Erkrankungen der weiblichen Brust
Der zweite Themenblock widmete sich der Brustrekonstruktion nach malignen Erkrankungen. Prof. Dr. med. Björn Behr, MBA stellte die sechs zentralen Kriterien der Rekonstruktion vor: Size, Shape, Softness, Symmetry, Sensation und Safety. Als wichtige Erkenntnis hob er hervor, dass die autologe Brustrekonstruktion zwar mit einem höheren operativen Aufwand verbunden sei, langfristig jedoch die Lebensqualität vieler Patientinnen verbessern könne. Auch Prof. Dr. med. C. Can Cedidi unterstrich die Bedeutung einer individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmten Therapie.
Einen weiteren Blickwinkel eröffnete Dr. Helena Lewis-Smith, PhD, CPsychol, die den Einfluss von Erkrankungen und deren Behandlung auf das Körperbild erläuterte. Gerade Patientinnen nach einer Brustkrebsbehandlung benötigten häufig Unterstützung, um wieder ein positives Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Lydia Dwornicki zeigte anhand ihrer Arbeit mit medizinischen Tätowierungen auf, wie Brustwarzenrekonstruktionen und Narbenretuschierungen zur Verbesserung des Körpergefühls beitragen könnten.
Auf das sekundäre Lymphödem als mögliche Folge einer Brustkrebserkrankung ging Dr. med. Maria Füth ein. Sie erläuterte, dass – in bestimmten Fällen – ein frühzeitiges Eingreifen mittels operativer Verfahren, beispielsweise durch eine lymphovenöse Anastomose, einen positiven Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf haben könne.
III. Verbrennungsmedizin
Aktuelle Entwicklungen in der Verbrennungschirurgie stellte Dr. med. Bernd Hartmann vor. Dabei ging er insbesondere auf moderne bildgebende Verfahren ein, die zunehmend durch KI unterstützt würden und eine präzisere Einschätzung der Verbrennungstiefe ermöglichten. Die Erfahrungen aus den Großschadensereignissen in Crans-Montana (Schweiz) sowie Kochani (Nordmazedonien) wurden von Prof. Dr. med. Bong-Sung Kim, MBA, Dr. Katarina Mirchovska und Dr. Gordana Georgieva präsentiert. Dr. med. Sonja Schmidt, MHBA berichtete zudem über die Versorgung schwerbrandverletzter Patientinnen und Patienten aus der Ukraine in deutschen Verbrennungszentren.
Im Anschluss erläuterte Ulrike Van Daele, PT, PhD die Bedeutung der Kompressionstherapie im Rahmen der Narbenbehandlung nach Verbrennungen. Entscheidend seien dabei die Wahl des richtigen Drucks sowie eine individuelle Anpassung an die jeweiligen Patientenbedürfnisse. Auch Dr. med. Hans Ziegenthaler betonte die Bedeutung einer zielgerichteten Rehabilitation, um Betroffenen die Rückkehr in einen möglichst selbstständigen Alltag zu ermöglichen.
IV. Ästhetische Gesichtschirurgie
Einen Einblick in die plastische und ästhetische Gesichtschirurgie gaben Dr. med. Nuri Alamuti, Dr. med. Alex Hilpert und Dr. med. Natalie Abou Dayé. Sie zeigten auf, wie eng funktionelle und ästhetische Aspekte miteinander verknüpft seien und welche vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten heute unter anderem bei Aknenarben, Hautverfärbungen und weiteren Narbenbildern sowie bei der Nasenchirurgie und bei Facelifts zur Verfügung stünden.
V. Chirurgie und Therapie der Hand
Den abschließenden Themenblock eröffnete Dr. med. Ina Nietzschmann mit einem Überblick über chirurgische Behandlungsmöglichkeiten bei akuten und chronischen Erkrankungen der Erwachsenenhand. Die Besonderheiten bei der Behandlung von Kinderhänden stellte Dr. med. Carsten Krohn vor. Neben den anatomischen Unterschieden würden hier insbesondere das Wachstum, spezifische Verletzungsmuster sowie angeborene Fehlbildungen eine wichtige Rolle spielen.
Auch in der Handtherapie gälten Kompression und Silikon weiterhin als Goldstandard der Narbenbehandlung, wie Guido Sinram erläuterte. Abschließend stellte Dr. med. Yonca Steubing moderne Ansätze der Handendoprothetik vor, deren zentrales Ziel ebenso die Wiederherstellung von Funktion und Beweglichkeit der Hand sei.
Mit Vorträgen zu Innovationen, rekonstruktiver Chirurgie, Verbrennungsmedizin, ästhetischen Behandlungskonzepten und Handchirurgie bot das 13. Narbensymposium erneut eine umfassende Plattform für den interdisziplinären Austausch rund um die moderne Narbentherapie.
Der Termin für das 14. Narbensymposium 2027 wird zeitnah bekannt gegeben.
Julius Zorn GmbH
Die Julius Zorn GmbH, mit Hauptsitz im bayerischen Aichach, wurde 1912 in Zeulenroda (Thüringen) gegründet und beschäftigt weltweit über 1.300 Mitarbeitende. Mit der Schwesterfirma in den USA und verschiedenen Tochterfirmen und Vertriebsorganisationen in Europa und Kanada bedient der Hersteller medizinischer Hilfsmittel einen internationalen Markt. Als Spezialist mit über 100 Jahren Erfahrung in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dafür produziert das Unternehmen innovative Produkte wie Kompressionsversorgungen in Rund- und Flachstrick sowie Bandagen und Orthesen, größtenteils „Made in Germany“ für die Bereiche Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie. Neben den Produkten der Fachhandelsmarke Juzo gibt es die Juzo Akademie mit Fortbildungen u.a. für den medizinischen Fachhandel, die Marke sportomedix mit hochfunktionellen Produkten für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler und die Marke EquiCrown mit medizinischen Kompressionsbandagen für Pferde. Mit Hightech, Handarbeit und Herz fertigen die Beschäftigten bei Juzo fortschrittliche und individuelle Lösungen für mehr Lebensfreude in Bewegung. Weitere Infos unter juzo.com