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Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFSS)

Was ist das Patellofemorale Schmerzsyndrom?

Beim Sammelbegriff Patellofemorales Schmerzsyndrom handelt es sich um Schmerzzustände im Bereich des vorderen Knies und der Kniescheibe (Patella). Diese treten zumeist hinter der Kniescheibe auf, können aber auch auf Bereiche vor und rund um die Kniescheibe ausstrahlen. 

Das Patellofemorale Schmerzsyndrom ist weit verbreitet und gehört zu den häufig auftretenden Beschwerden im vorderen Knie. In aller Regel treten die Schmerzen erstmalig bei Belastungen wie Treppensteigen, Bergtouren oder Skifahren auf. 

Gehäuft betrifft das Patellofemorale Schmerzsyndrom junge, sportlich aktive Frauen, aber auch Freunde von Sportarten bei denen die Knie durch Springen, Abfedern und Abbremsen stark beansprucht werden. 

Außerdem können Fehlstellungen wie X-Beine,  Anomalien wie der Hochstand der Kniescheibe, muskuläre Dysbalancen oder eine zu schwache Muskulatur zur Stabilisierung der Kniescheibe ein Auslöser für das Patellofemorale Schmerzsyndrom sein.

Schmerzpunkt Patellofemorales Schmerzsyndrom

Lokalisation des Schmerzes

Beim Patellofemoralen Schmerzsyndrom (PFSS) entstehen die Schmerzen in der patellaren Führungsrinne zwischen Oberschenkel und Kniescheibe.  Läuft die Kniescheibe nicht exakt in dieser Gleitrinne, treten vor allem unter Belastung Knieschmerzen auf.

 

Das Patellofemorale Schmerzsyndrom kennt viele Namen

Viele kennen das Patellofemorale Schmerzsyndrom noch unter seiner früheren Bezeichnung Chondropathie oder Chondropathia patellae. Hierzulande wird das Krankheitsbild auch als vorderer Knieschmerz,  retropatellares Schmerzsyndrom, retropatellarer Gelenkschmerz und Retropatellaschmerz bezeichnet.  Aber auch Parapatellares Schmerzsyndrom, Chondromalacia patellae, Chondromalazia patellae, Chondromalazie sind gebräuchlich. Außerdem sind die Abkürzungen PFSS für Patellofemorales Schmerzsyndrom und FPS für femoropatellares Schmerzsyndrom gebräuchlich.


Ursachen für das Patellofemorale Schmerzsyndrom

Die genaue Ursache für das Patellofemorale Schmerzsyndrom bleibt oft ungeklärt. Jedoch gibt es verschiedene Situationen, die dieses Krankheitsbild auslösen können:

  • Muskuläre Dysbalancen

Die Patella sitzt normalerweise im Gleitlager des Oberschenkelknochens. Dieser fungiert als Führungsschiene. Außerdem wird die Patella durch die Muskulatur und die seitlichen Bänder stabilisiert. Wird der Gleitweg durch muskuläre Dysbalancen verändert, kann Reibung entstehen, die starke Schmerzen verursachen kann.

 

  • Fehlstellung  der Patella

Die umliegenden Bänder und Muskeln ziehen die Patella vermehrt zu einer Seite, was eine Verformung oder Fehlstellung der Patella mit sich bringt. Der Patient leidet an einem iliotibiale Bandsyndrom (Läuferknie). Es entsteht durch eine Überbeanspruchung des Tractus iliotibialis. Dies ist ein Faszienstreifen, der an der Außenseite des Oberschenkels die Muskulatur stützt.

 

  • Fehlbildung (Dysplasie) der Patella  

Weist die Kniescheibe eine asymmetrische Form auf, spricht man von einer Patelladysplasie. Bei dieser meist angeborenen Fehlbildung kann es infolge der einseitigen Belastung zur verstärkten Abnutzung des Knorpels unterhalb der Kniescheiben kommen. 

 

  • X-Beinstellung

Bei einer Beinfehlstellung verläuft die Gewichtsbelastung des Kniegelenks nicht optimal und es entsteht eine Fehlbelastung. Diese kann  zu Knorpelverschleiß und Gelenkschäden führen und somit die retropatellaren Gelenkschmerzen, also Schmerzen hinter der Kniescheibe, verursachen.


Ganzheitliche Behandlung des Patellofemoralen Schmerzsyndroms

Insbesondere bei einer ganzheitlichen Behandlung mit unterschiedlichen Bausteinen hat eine konservative Therapie beim Patellofemoralen Schmerzsyndrom durchaus gute Erfolgsaussichten.  Eine Kombination aus Hilfsmitteln, kontrollierter Bewegung, physikalischer Therapie und Selbstmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg.

Hilfsmittelversorgung

Bei chronischen oder akuten Schmerzen des Kniegelenks dienen Knieorthesen und -bandagen als Unterstützung. Die Schmerzlinderung kann durch die zusätzliche Stabilisierung und Kompression des Kniegelenks erzielt werden. Ergänzend zum Hilfsmittel direkt am Kniegelenk ist es häufig notwendig, sich orthopädische Einlagen anfertigen zu lassen.

Bei übermäßiger Belastung kann eine Knieorthese oder -bandage auch zur Prävention getragen werden, um einem erneuten Auftreten der Schmerzen entgegenzuwirken.

Therapie mit der JuzoPro Patella Xtec Plus

Orthese zur Beeinflussung des Patellagleitweges

Die JuzoPro Patella Xtec Plus dient zur therapiegerechten Behandlung des Patellofemoralen Schmerzsyndroms. In die Orthese ist eine hufeisenförmige Pelotte um die Kniescheibe integriert. Diese wird über einen Verschlussmechanismus zentriert und lenkt den Gleitweg der Kniescheibe.  Durch die Noppierung dieser Pelotte wird außerdem die auf der Innenseite des Oberschenkels liegende Muskulatur (Musculus vastus medialis) stimuliert. Eine zweite Pelotte dient dazu, die Patellasehne zu entlasten und lindert durch ihre Noppierung die Schmerzen.

 

Bedarfsgerechte Therapie in 2 Phasen  
Die JuzoPro Patella Xtec Plus Orthese lässt sich auf die jeweiligen Anforderungen der Therapiephasen anpassen.  In der Akutphase hilft das Kompressionsgestrick der medizinischen Kompressionsklasse 2 dabei Schwellungen entgegenzuwirken. In Absprache mit dem Arzt kann für die zweite Phase der Therapie die Zentrierungspelotte in Verbindung mit dem beiliegenden Patellasehnenband verwendet werden.


Bewegung

In der Akutphase ist ein sofortiges Beenden der Belastungssituation sinnvoll. Sobald es die Schmerzen erlauben kann eine gezielte Mobilisation erfolgen. Hinsichtlich Art und Umfang der Übungen ist es ratsam, sich intensiv mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Zu lange Schonung kann sich kontraproduktiv auswirken, da die stützende Muskulatur abgebaut wird und somit Dysbalancen verstärkt werden können.  Regelmäßige Übungen stärken die Muskulatur und können so Dysbalancen ausgleichen. 

Übungen zur Stärkung und Vorbeugung 

Durch die Orthese JuzoPro Patella Xtec Plus wird die Kniescheibe wieder in die richtige Bahn gelenkt und damit eine schmerzfreie Beweglichkeit gefördert.  Maßgeschneiderte Übungen helfen dabei die stützende Muskulatur zu stärken und Dysbalancen auszugleichen. In Zusammenarbeit mit Therapeuten hat Juzo folgende Auswahl an Übungen zusammengestellt.

  • Übung 1: Step-Up
  • Füße hüftbreit auf einem Stepbrett oder einer stabilen Erhöhung (ca. 20 cm) aufstellen
  • In einer kontrollierten Bewegung auf den Boden tippen, das Bein anziehen und wiederholen
  • Achten Sie darauf, dass das vordere Knie nicht über die Fußspitze zeigt!

 

3 x ca. 10 15 Wiederholungen je Seite


  • Übung 2: Diagonale im Sitz
  • Mit 90° Grad angewinkelten Beinen auf einen Stuhl setzen
  • Ein Bein mit eingedrehter Fußspitze anziehen
  • Anschließend das Bein ausstrecken und die Fußspitze so weit wie möglich nach außen drehen

 

3 x ca. 15 20 Wiederholungen je Seite


  • Übung 3: Step-Up Plus
  • Füße hüftbreit vor einem Stepbrett oder einer stabilen Erhöhung (ca. 20 cm) aufstellen
  • In einer kontrollierten Bewegung auf die Erhöhung steigen
  • Das andere Knie kontrolliert nach oben ziehen

 

3 x ca. 15 20 Wiederholungen

  • Übung 1: Squats in verschiedenen Spurbreiten
  • Füße leicht nach außen gedreht und schulterbreit voneinander entfernt aufstellen
  • Knie langsam beugen (der Po schiebt sich dabei nach hinten), dann wieder zurück in die Ausgangsposition
  • Wichtig: Knie und Zehenspitzen zeigen immer in die gleiche Richtung!

 

3 x 10 15 Wiederholungen


  • Übung 2: Split-Squats
  • Wackelpolster oder auch ein dickes Handtuch vor sich auf den Boden legen
  • Großen Schritt in gerader Linie nach vorne
  • Hinteres Knie beugen
  • Achten Sie darauf, dass das vordere Knie nicht über die Fußspitze zeigt!

 

3 x 10 15 Wiederholungen je Seite

  • Übung 1: Wall-sit Dynamic
  • Mit dem Rücken an die Wand stellen (idealerweise mit einem weichen Ball)
  • Langsam in die Hocke gehen und wieder aufrichten
  • Achten Sie darauf, dass die Fußspitzen leicht nach außen zeigen!

 

3 x 10 15 Wiederholungen


  • Übung 2: Wall-sit
  • Mit dem Rücken an die Wand stellen
  • Langsam in die Hocke gehen
  • Zur Intensivierung abwechselnd die Zehenspitzen heben und halten
  • Zur weiteren Intensivierung abwechselnd ein Bein heben

 

3 x 10 15 Wiederholungen


  • Übung 2: Wall-sit single leg
  • Mit dem Rücken an die Wand stellen
  • Abwechselnd die Beine strecken und dabei die Fußspitzen nach außen drehen

 

3 x 10 15 Wiederholungen


Physikalische Therapie

Zu einer ganzheitlichen Behandlung gehört neben der regelmäßigen Bewegung auch die Physikalische Therapie. Hierbei ist wichtig, die Methoden der jeweiligen Indikation  und dem individuellen Schmerzbild anzupassen.

Zur Physikalischen Therapie zählen unter anderem Behandlungen wie Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Massage, Thermotherapie, Elektrotherapie, Ultraschall oder Hydrotherapie. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, mehrere Behandlungsformen miteinander zu kombinieren.


Alternative Behandlungsformen

Weitere Möglichkeiten zur Versorgung bieten Stoßwellentherapie, Injektionstherapie, Kinesiotaping und Akkupunktur.