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Prävention ist besser als jede Therapie

Vorsicht ist besser als Nachsicht, heißt es im Volksmund. Für Sprunggelenksverletzungen gilt das besonders: Die Behandlung solcher Verletzungen ist meist langwierig.

Sprunggelenksverletzungen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Manchmal genügt schon eine Unebenheit im Boden, ein unachtsamer Schritt oder ein schneller Richtungswechsel und schon ist es passiert: Die Bandstruktur ist geschädigt, der Knöchel schmerzt höllisch. 


Meist langwierige Therapien nötig

Die anschließende Behandlung nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit, die viele aktive Sportler nicht haben. Durchschnittlich kann ein Sportler nach einer Sprunggelenksverletzung erst nach einem Therapiezeitraum von 12 bis 16 Wochen wieder mit dem Training beginnen. „Das bedeutet aber nicht, dass ich nach 16 Wochen Therapie schon wieder da bin, wo ich vor der Verletzung war“, gibt Dipl. Sportwissenschaftler Steffen Rodefeld zu bedenken. Der Sportler ist dann noch weit davon entfernt, wieder die alte Leistung zu zeigen. „Bewegungsabläufe müssen neu gelernt und sportartspezifische Belastungen trainiert werden.“

Wirtschaftliche Einbußen durch verletzungsbedingte Auszeiten

Eine derartige Verletzung bedeutet für den Athleten nicht nur viel Zeit und Kraft, die er investieren muss, um wieder voll belastbar zu sein. Für professionelle Sportler hat dieser Ausfall auch weitere Konsequenzen, weiß Rodefeld:

Wenn ein Sportler einer Mannschaft fehlt, oder wenn dem Sportler aufgrund einer Verletzung Zeit fehlt, ist das mit großen wirtschaftlichen Einbußen für den Sportler, für sein ganzes Team verbunden.

Hohe Dunkelziffer bei Sprunggelenksverletzungen

Langwierige Therapien sind nur die eine Seite der Medaille. Oftmals kommt es gar nicht so weit, denn die richtige Behandlung ist nach einer Sprunggelenksverletzung keine Selbstverständlichkeit. Dr. med. Martin Jordan, Facharzt für Orthopädie, geht im Bereich der Bänderverletzungen von einer hohen Dunkelziffer aus. Das liegt zum einen daran, dass viele Betroffene keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Zum anderen gibt es aber auch große Unterschiede in der diagnostischen Qualität. Viele Patienten werden schlecht oder unzureichend untersucht, so dass keine richtige Diagnose gestellt werden kann. So könne auch keine richtige Therapieempfehlung erfolgen, sagt Jordan: 

Jeder 7. bis 8. Patient wird nicht richtig oder gar nicht behandelt. Wir gehen derzeit von 2,9 Millionen Sprunggelenksverletzungen im Jahr aus. 2017 wurden jedoch gerade einmal 450.000 Orthesen verschrieben.

Begleitverletzungen bleiben meist unerkannt

Ein weiterer Punkt sind Begleitverletzungen, die in den meisten Fällen nicht erkannt werden. „Man schätzt, dass bei den reinen Umknickverletzungen in 98 Prozent der Fälle weitere Verletzungen im Sprunggelenk vorliegen“, so Dr. med. Martin Jordan. „Diagnostiziert werden diese jedoch nur sehr eingeschränkt.“ 

Das Problem: Unzureichend oder gar nicht behandelt, können Sprunggelenksverletzungen schwere Folgeschäden nach sich ziehen. Diese reichen von einer dauerhaften Instabilität bis hin zur Arthrose. Für Betroffene gehen diese Folgeschäden auch mit einem Verlust an Lebensqualität einher. Hinzu kommt, dass nach einer Verletzung des Sprunggelenks das Risiko einer Folgeverletzung ungleich höher ist. 

Prävention hat hohen Stellenwert

Neben der körperlichen Beeinträchtigung kann eine solche Verletzung auch Auswirkungen auf die mentale Belastbarkeit der Sportler haben. Aus Angst vor einer erneuten Verletzung trainieren viele Athleten mit angezogener Handbremse und bleiben so weit hinter ihren Möglichkeiten. Vielen fällt es schwer, sich wieder voll auf Ihre Leistung zu konzentrieren und an das Leistungsniveau vor der Verletzung anzuknüpfen. Damit entstehen Leistungsgrenzen, wo keine sein müssten. Der Weg zu neuen Bestleistungen nach einer Sprunggelenksverletzung ist lang, er kostet Kraft und viel Zeit. Daher hat die Prävention in diesem Bereich nicht nur für Sportwissenschaftler Rodefeld einen hohen Stellenwert: „Es wäre schön, wenn wir uns diese Zeit sparen könnten.“  

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