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8. Berliner Lymphologisches Symposium

Lymphödeme in Bewegung

04.05.2019 - Berlin

„Lymphödeme in Bewegung“  lautete der Titel des mittlerweile  8. Berliner Lymphologischen Symposiums, das am 4. Mai 2019 stattfand. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Dr. med. Anett Reißhauer, Leiterin des Arbeitsbereichs Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, hatte die Julius Zorn GmbH (Juzo) diese Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Therapeuten und Versorgungsspezialisten aus dem medizinischen Fachhandel vorbereitet. Die Veranstalter freuten sich über mehr als 400 Besucher, dabei auch aus den Reihen der Kostenträger und des GKV-Spitzenverbandes.

Die Teilnehmer erwartete ein interessantes Programm zu häufigen Fragen rund um die Behandlung von Lymph- und Lipödemen. Die Themenvielfalt erstreckte sich von Anatomie und Diagnostik der Lymphknoten über Möglichkeiten und Grenzen der Entstauungstherapie bis hin zur Bedeutung von Bewegung und Kompression beim Lymphödem.  

Frau Dr. Reißhauer freute sich, als besonderen Beitrag das Zusammentreffen von Kunst und Lymphödem ankündigen zu können. 

Praxisseminare zu speziellen Fragestellungen der Kompressionstherapie sowie interessante Fallvorstellungen aus dem klinischen Alltag sowie ein Seminar zu spezifischen Eigenübungsprogrammen bei Extremitäten-Lymphödemen rundeten den Fortbildungstag ab.  
 

Lymphknoten und Ultraschalldiagnostik

Eine Einführung in die Anatomie der Lymphknoten gab Prof. Dr. med. Dieter Blottner, Berlin. Neben Aufbau, Histologie und Lokalisation wurde auch die Funktionsweise dieses lymphatischen Organs ausgiebig behandelt. Ursachen für die Vergrößerung von Lymphknoten könnten entzündlich, reaktiv oder neoplastisch sein.  

Die Möglichkeiten und Grenzen der Ultraschalldiagnostik bei Lymphknoten zeigte anschließend Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Fischer, Charité Berlin auf. Ultraschall sei die Methode der Wahl bei der Untersuchung von peripheren Lymphknoten, aber auch zur Steuerung einer Biopsie oder einer Lymphknoten-Transplantation. Ab einer Größe von 2 mm seien die Lymphknoten gut darstellbar. Grenzen seien jedoch bei retroperitonealer Lage der Knoten gesetzt. Hier bedürfe es einer Bildfusion zur Beurteilung des Therapieerfolges. Bei der Diagnose seien Form und Gefäßarchitektur als wichtige Kriterien zu beachten. 

Mit dem Mythos aufräumen, dass Patienten mit Herzinsuffizienz nicht mit Kompression behandelt werden können, wollte Dr. med. Sören Sörensen, Mainburg. Mit dem zunehmenden Erfolg der onkologischen Therapien erreichten die Patienten mit sekundären Lymphödemen ein immer höheres Lebensalter. Damit verbunden seien aber auch die Entwicklung altersbedingter kardiovaskulärer Erkrankungen, insbesondere die Herzinsuffizienz. Die akute kardiale Dekompensation stelle laut Leitlinie eine absolute Kontraindikation zur KPE dar. Klinische Zeichen dafür seien dabei Distanzrasseln beim Atmen, Halsvenenstau, deutliche Zunahme der peripheren Ödeme, Anstieg des Pulses auf > 110/min., deutlich reduzierte Belastbarkeit und bei geringerer Anstrengung auftretende Atemnot. Auf der anderen Seite könne aber, wenn die Belastbarkeit gleichbleibend besteht, der Puls < 110/min. und die Atemnot nur bei hoher Belastung auftrete, trotz der Diagnose einer Herzinsuffizienz  eine Entstauungstherapie durchgeführt werden. 

 

Internistische Begleiterkrankungen beim Lymphödem

Über internistische Begleiterkrankungen beim Lymphödem und ihrem Handling in der stationären Rehabilitation referierte Frau Dr. med. Barbara Netopil, Königstein / Taunus. 

Die Komorbiditäten nähmen besonders ab dem 50. Lebensjahr zu. Häufigste Begleiterkrankung sei die Adipositas: Mehr als 40 % der Lymphpatienten und über 80% der Lipödem-Patientinnen seinen davon betroffen. Dabei fungiere die Adipositas ödemverschlechternd und auch als Trigger für andere Erkrankungen. Aber auch die Arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2, Herzerkrankungen, pAVK, Niereninsuffizienz oder chron. obstruktive Lungenerkrankungen seien flankierende Erkrankungen, die die Behandlungserfolge des Lymphödems beeinträchtigten und zu Kompromissen in der Entstauungstherapie zwängen. Daher seien eine gründliche Anamnese, Sichtung von Vorbefunden und klinische Untersuchung vor einer stationären Entstauungstherapie immens wichtig. 

Das Lipödem sei weit mehr als dicke schmerzhafte Beine, so Dr. med. Tobias Bertsch in seinem Vortrag „Lipödem: Mythos und Fakten – ein Update“. Beim Lipödem handele es sich um kein echtes Ödem mit Flüssigkeitseinlagerung, daher bringe die Manuelle Lymphdrainage keine nachweisbaren Erfolge. Es bestehe auch keine Evidenz für die Aussage, dass Lipödem dick mache. 88% der Lipödem-patientinnen hätten zwar eine Adipositas als Begleiterkrankung, diese bestände jedoch zumeist schon vor der diagnostizierten Lipödemerkrankung. Sie sei zusammen mit psychischen Faktoren auch verantwortlich für die Druckschmerzempfindlichkeit.  

Trotz Aufnahme in die Leitlinie gebe es außerdem keine Evidenz, dass das Lipödem durch eine Liposuktion heilbar sei.  
Die Diagnose Lipödem werde von mehreren Faktoren beeinflusst: Übergewicht, Schmerz, Stigmatisierung, sozialer Druck durch abweichendes Schönheitsideal und eine hohe psychische Vulnerabilität der Patientinnen. Für die Therapie des Lipödems empfehle das Europäische Lipödem Forum: Physio- / Bewegungstherapie, Kompressionstherapie, psychosoziale Therapie, Gewichtsmanagement, Selbstmanagement und nur in Einzelfällen operative Therapie wie Liposuktion oder bariatrische Operation. 

Die Teilnehmer forderte Dr. Bertsch auf, nicht alles zu glauben, was von Experten oder Studien zum Lipödem kommuniziert werde: „Bleiben Sie kritisch!“ 
 

Lymphsystem und Bewegung

Dem Thema Lymphsystem und Bewegung widmete sich Frau Dr. Reißhauer. Adipositas, muskuloskeletale Beschwerden und Schilddrüsenunterfunktion seien häufige Begleiterscheinungen des sekundären Lymphödems, die zu Bewegungsmangel und damit zu dem Kreislauf Ödem – Bewegungsmangel – Adipositas – Schmerz – Schonung /Bewegungsmangel – Ödem führten. 

In die neue Lymphödem-Leitlinie wurde nun erstmals die entstauungsfördernde Sport-/Bewegungstherapie als Standard innerhalb der Lymphödemtherapie aufgenommen. Verschiedene internationale Studien belegen den Nutzen der sportlichen Übungen für Lymphödempatienten. Moderates Training reduziere u.a. Ödeme und deren Entstehung, führe zur Funktionsverbesserung der Gliedmaßen und stelle eine hochwirksame Selbstbehandlungsmaßnahme mit positiver psychologischer Auswirkung dar. Auch werde über eine Verbesserung der Muskel- und Gelenkpumpenfunktion sowie  ein durch gesteigerte Atemtechnik vermehrter lympho-venöser Rückstrom erzielt. Die Studien zeigten dabei keinerlei unerwünschten Nebeneffekte durch die Bewegungstherapie. 

Die Duckverhältnisse unter einer Kompressionsbandagierung visualisierte Dr. med. Max Liebl, Berlin, unterstützt von Physiotherapeutin Norma Schwerter mit einer In- Vivo-Druckmessung.  

Mittels einer am Messpunkt B1unterhalb der Bandagierung angebrachten Sonde wurde in liegender Position bei einer Probandin der Normaldruck ermittelt. Nach dem Wechsel in die Vertikale war ein deutlicher Druckanstieg (Arbeitsdruck) sichtbar. Diese Werte ermöglichen auch die Berechnung der Stiffness des Kompressionsmaterials. 

Den emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Besuch der international erfolgreichen Tänzerin Laura Saiz-Fernandez. In einem eingespielten Video schilderte sie, wie sie nach Eierstockkrebs-OP  durch das darauf folgende Bein-Lymphödem fast vor dem Ende ihrer Karriere stand. Durch die Behandlung an der Charité, regelmäßige Lymphdrainage und konsequentes Tragen der Kompressionsversorgung schaffte sie jedoch den Weg zurück auf die Bühne und feiert wieder weltweit Erfolge. 

Nach der Mittagspause konnten die Besucher unter drei Praxisseminaren auswählen: 

Besondere klinische Fälle, die jeweiligen differentialdiagnostischen Überlegungen und die Behandlungsverläufe stellten Dr. med. Christine Schwedtke und Dr. Claudia Wittmann, beide Charité Berlin vor.  

Über die Kompressionstherapie als besondere Herausforderung bei Genital-lymphödemen und Komorbiditäten referierte Christine Hemmann-Moll, Bad Rappenau. 

Die Möglichkeiten der Bewegungstherapie in der Praxis stellte die Ärztin Isabella Hoffmann, Charité Berlin, vor. Neben individuell angeleiteter Krankengymnastik und angeleiteter Gymnastik in der Gruppe nehme die Nutzung digitaler Medien, wie z. B. Apps oder videogestützte Anleitungen immer mehr zu. Im anschließenden Praxisteil nahmen die Besucher selbst aktiv an den Übungen teil. 

Spende für einen guten Zweck 

Im Rahmen des Symposiums überreichte Herr Roger Willms, Bereichsleiter Strategie der Julius Zorn GmbH, einen Spendenscheck an Frau Dr. med. Anett Reißhauer. Der Betrag kommt den Freunden und Förderern der Charité e.V. zugute und wird für weitere Forschungsvorhaben in der Lymphologie verwendet. 

Das 9. Berliner Lymphologische Symposium wird am 25.04.2020 stattfinden. 
Mehr Informationen bei Frau Dace Zanker 
Tel. + 49 (0)8251 901 406
E-Mail dace.zanker@juzo.de

Referenten

Dr. med. Tobias Bertsch

Leitender Oberarzt
Földiklinik GmbH & Co. KG
Rößlehofweg 2-6, 79856 Hinterzarten
 

Jetzt Abstract downloaden

Prof. Dr. med. Dieter Blottner

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Institut für Anatomie
Philippstraße 12, 10115 Berlin
 

Univ.- Prof. Dr. med. Thomas Fischer

Leitender Oberarzt (Campus Manager) CCM
Leiter Interdisziplinäres US-Zentrum
Institut für Radiologie im CC6
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Christine Hemmann-Moll

Bandagisten-Meisterin
Buchenstraße 34, 74906 Bad Rappenau

Isabelle Hoffmann

Charité-Universitätsmedizin, Berlin 
Arbeitsbereich Physikalische Medizin und  
Rehabilitation 
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
 

Susann Jicha

Charité Physiotherapie- und
Präventionszentrum GmbH
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Dr. med. Max Liebl

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Dr. med. Barbara Netopil

Reha-Zentrum Bad Nauheim
Klinik Taunus
Abteilung Lymphologie
Lindenstraße 6, 61231 Bad Nauheim

Dr. med. Anett Reißhauer

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Dr. med. Christine Schwedtke

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Norma Schwerter

Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH
Charitéplatz, 110117 Berlin

Dr. med. Sören Sörensen

Leitender Oberarzt Innere Medizin / Kardiologie
Ilmtalkliniken Standort Mainburg
Laurentiusweg 1, 84048 Mainburg
 

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Dr. med. Claudia Wittmann

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Künstler

Laura Saiz-Fernandez
Kurfürstenstraße 7, 10787 Berlin

Daniel Ruiz Orellana
Kurfürstenstraße 7, 10787 Berlin

Rückblick 2019 - Impressionen vom 8. Berliner Lymphologischen Symposium

In unseren Impressionen haben wir eine Auswahl an Bildern der Veranstaltung für Sie bereitgestellt. Weitere Bilder des 8. Berliner Lymphologischen Symposium finden Sie in unserer Bildergalerie online unter www.galerie.juzo.com. Das Passwort erhalten Sie von unserer Symposium-Ansprechpartnerin Dace Zanker