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10. Münchner Lymph-Symposium

Faszination Lymphologie: Chirurgie und Therapieoptionen im Überblick

29.06.2019 - München

Das Münchner Lymph-Symposium feierte in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Die Besucher erwartete neben dem Thema „Faszination Lymphologie: Chirurgie und Therapieoptionen im Überblick“ auch einige Geburtstagsüberraschungen. Rund 350 Besucher durfte die wissenschaftliche Leiterin Frau Dr. med. Michaela Knestele, Chefärztin am Wundzentrum Allgäu, in ihrer Begrüßungsrede willkommen heißen. 

 

35 Jahre Lymphologie 

Den ersten Vortrag des Tages hielt Dr. med. Christian Schuchhardt, Freiburg. „Ich bin mit dem Lymphvirus infiziert“, so Schuchhardt. Er schilderte in seinem Festvortrag 35 Jahre Lymphologie und legte die Visionen sowie Realität der Zeitspanne dar. Zu den Themen seines Vortrags gehörten neben der Lymphangiomotorik, den Lymphgefäßen im Gehirn, den Wirksamkeitsstudien der KPE/MLD und der Genetik der Lymphangiogenese auch neue chirurgische Wege zur Vermeidung eines Lymphödems. Die abschließenden Worte von Schuchhardt: „Die Lymphologie ist ein tiefes Gewässer und es sind noch viele Berge zu überwinden. Ich freue mich auf 10 weitere Jahre Lymph-Symposium in München“. 

 

Lymphologie und Rekonstruktion

Mit der Anatomie des Lymphgefäßsystems befasste sich Dr. med. Ulrike Walz-Eschenlohr, Hinterzarten. Als besonderes Highlight zur Visualisierung war ein Body Painting Model mit dem Lymphsystem bemalt worden. Walz-Eschenlohr konnte anhand des Models anschaulich die verschiedenen Bestandteile des Lymphsystems zeigen. Das glymphatische System sei nicht nachtaktiv. Man nehme daher an, dass ein Zusammenhang zwischen Alzheimer und einer Störung des glymphatischen Systems bestehe, da Alzheimerpatienten unter einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus leiden, so Walz-Eschenlohr.

Bildgebende Verfahren in der Lymph-Chirurgie stellte Thiha Aung, Regensburg, vor. Mit der ICG Fluoreszenz Methode sei eine Visualisierung während der Lymphdrainage möglich. Die Kontrastmittel-Sonografie ermögliche, die Funktion einzelner Lymphknoten eines Transplantats sichtbar zu machen, da die Sonografie weiter in die Tiefe gehe. Außerdem sei laut Aung die Liposuktion potentiell lymphbahnschädigend. Durch die bildgebenden Verfahren sei es möglich, den Patient mit einer gewissen Sicherheit nach Hause zu schicken.

Bewährte und neue Methoden der Transplantation von Lymphknoten stellte Dr. med. Alexander Florek, Radebeul, vor. Die autologe Lymphgefäßtransplantation liefere beim Genitallymphödem die überzeugendsten Ergebnisse. Florek wies darauf hin, wie wichtig die Kompressionsbekleidung im Anschluss an die Liposuktion und Dermolipektomie sei. Ziele der freien Lymphknotentransplantation seien die Volumenreduktion und vor allem die Reduktion der Erysipelfrequenz. Entscheidend sei die Verbesserung der Lebensqualität. Florek stellte den Turn Over Flap, eine neue operative Methode zur Therapie des Lymphödems der oberen Extremität, vor. Ziele der operativen Therapie seien die konsequente Narbenexzision von Brustwand und Axilla, sowie eine Reaugmentation der Axilla durch einen gefäßgestielten Lymphknoten-Fett-Transfer zum Ausgleich des durch die Narbe entstandenen Volumendefizits und LK-Transfers.

 

Resektion in der Lymphologie

Das Thema „Reduktionsplastik bei Adipositas per magna und chronischem Genitallymphödem“ durchleuchtete Dr. med. Ziad Kalash, Freiburg. Ziel der Reduktionsplastik sei es, funktionelle, ästhetische und psychologische Einschränkungen durch die Hautüberschüsse zu reduzieren. Kalash stellte verschiedene Methoden wie beispielsweise den Bodylift nach Lockwood, die Beltlipektomie und die Oberarmstraffung vor. Er ging auch auf mögliche Komplikationen und Risiken, wie etwa Serombildung und Wundheilungsstörungen, ein. 

Die Liposuktion thematisierte Dr. med. Stefan Rapprich, Bad Soden, in seinem Vortrag. Neben der vibrations-assistierten Liposuktion (PAL), zu der es bereits diverse Studien zur Wirksamkeit gebe, erwähnte er auch die wasserstrahlassistierte Liposuktion (WAL). Postoperativ im Anschluss an die Liposuktion sei die Manuelle Lymphdrainage für 3 Wochen etwa 2 – 3 x pro Woche notwendig. Die Kompression sollte postoperativ 3 – 5 Tage rund um die Uhr angewendet werden, danach sei sie nur tagsüber für mindestens 4 Wochen notwendig. Falls weiterhin eine Schwellungsneigung bestehe, sei die Kompression länger anzuwenden, so Rapprich. 

Laut PD Dr. med. Gunther Felmerer, Göttingen, sei die Heilung eines Ödems durch die Resektion nicht möglich, es sei nur eine Palliativoperation. Die Resektion wird beispielsweise bei Fettschürzen, einem Genitalödem, einem Gesichtsödem oder Kastenzehen durchgeführt. Bei der Lymphknotentransplantation werden Lymphknoten aus dem Magenbereich mithilfe der roboterassistierten Mikrochirurgie entnommen und verpflanzt. Außerdem ging Felmerer auch auf die Themen lymphovenöse Shunts und mikrochirurgische Lymphocelenbehandlung ein. 

Was ist bei Ödem-Patienten und chirurgischen Eingriffen zu berücksichtigen? Dieser Frage widmete sich Dr. med. Michaela Knestele, Kaufbeuren. Problem bei chirurgischen Eingriffen sei die häufig fehlende Kenntnis über Pathophysiologie des Lymphödems beim Behandler. Wichtig sei die Unterscheidung des planbaren Eingriffs oder des Notfalls. Nach dem Eingriff sei ein möglichst rascher Wiederbeginn von MLD und Kompressionstherapie und rasche Mobilisierung notwendig. Auch die Frage, ob die notwendige postoperative Versorgung das Lymphödem beeinflussen könnte, sollte sich laut Knestele der Behandler stellen. Außerdem sei der adäquate Umgang mit möglichen Komplikationen wichtig. 

Nach der Mittagspause kamen die Besucher in den Genuss eines Poetry Slams. Poesiepädagogin Meike Harms zeigte ihre Performance zur Entstehung der Welt und des Lebens – und welche Rolle die Lymphe dabei spielt.

 

Narbentherapie, Papillomatosen und chirurgische Interventionen

Prof. Dr. med. Peter L. Stollwerck, Gütersloh, befasste sich mit der Bedeutung des Ödems aus der Sicht der Narbentherapie. Ödeme und Narben treten laut Stollwerck nach Trauma und Operationen, Verbrennungen, plastisch-chirurgischer Rekonstruktionen, Operationen am Lymphsystem, Tumoroperationen und chronischen Wunden auf. Die Reduktion oder Elimination des Ödems fördere die Wundregeneration und letztlich auch die Narbenreifung. Multimodale Therapieregime, welche eine anti-inflammatorische Wirkung aufweisen, seien für die Therapie von Ödem und Narbe sinnvoll. Es bestehe jedoch noch großer Forschungsbedarf auf diesem Gebiet. 

Aus ihrer täglichen Praxis berichtete Carina Heckel, Kaufbeuren, mit einer eindrucksvollen Bilddokumentation. Die Besserung von Papillomatosen sei durch Manuelle Lymphdrainage und adäquater Kompressionstherapie zu erreichen. Bei sehr feuchten Verhältnissen stehe die Hautsanierung im Vordergrund, bei trockenen Verhältnissen sei ein Abtragen der Krusten notwendig. Bei sehr großen Papillomatosen gebe es die Möglichkeit der Abtragung. Die Papillomatose stelle einen Infektherd dar, aus ihr könne schnell eine Ulzeration entstehen. Beim Management von Papillomatosen und Hyperkeratosen sei es essentiell, auch immer an Differentialdiagnosen zu denken, so Heckel. 

Laut Frau Dr. med. Anett Reißhauer, Berlin, gebe es theoretischen Unterbau über die Wirkungen der Manuellen Lymphdrainage im Zusammenhang mit der Wundheilung bzw. der Entzündungsreaktion. Die Manuelle Lymphdrainage sollte insbesondere in den ersten zwei bis drei Wochen, vorranging bei postoperativen Zuständen, angewendet werden. Im Therapiespektrum eines Akutkrankenhauses der Maximalversorgung habe die Entstauungstherapie einen festen Stellenwert, der Schwerpunkt liege im chirurgischen Bereich. Laut Reißhauer sei daher eine bestehende Kompetenz hinsichtlich Lymphologie unabdingbar. 

 

Berufspolitische Aspekte

Quo vadis KPE? Dieser Frage stellte sich Hans Pritschow aus Waldkirch. Im Jahr 2017 gab es einige Änderungen, wie beispielsweise die S2k AWMF Leitlinie „Diagnose und Therapie der Lymphödeme“, die DIMDI ICD-10 Codes und die Aufnahme des Lymphödems Stadium II in den langfristigen Heilmittelbedarf. Weitreichende Entwicklungen stehen laut Pritschow vor der Tür: Eine neue Entlassmanagement-Regelung, Spahn will Blankorezepte für Physiotherapeuten, Therapeuten erwarten Zuwächse im zweiten Halbjahr in der Vergütung, die nun bundeseinheitlich geregelt werden soll und auf das jeweilige Höchstniveau angehoben . Eine kontinuierliche Optimierung in der interdisziplinären ambulanten Lymphödemtherapie sei erkennbar. Wichtig laut Pritschow: „Wir behandeln einen Menschen, der ein Ödem hat. Nicht das Ödem.“

Neue Perspektiven für den Arzt durch Behandlungsleistungen in der Lymphologie durchleuchtete Dr. med. Klaus Schrader, Münchberg. Er widmete sich ausführlich der Abrechnung im EBM und in der GOÄ. Schrader stellte die Änderungsvorschläge der Fachgruppe Lymphologie des Berufsverbands der Lymphologen e. V. für die EBM-Weiterentwicklung vor. Eine angestrebte Reform des EBM werde nicht kommen, aber es gebe kleine Änderungen im Jahr 2020. Laut Schrader sei eine neue GOÄ nicht absehbar. 

Über den aktuellen Stand und erste Erfahrungen in Bezug auf die Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses im Bereich Kompressionstherapie referierte Ralph Martig, Freiburg. Es gebe seit August 2018 durch die Fortschreibung einige Änderungen im Hilfsmittelverzeichnis in der Kompressionstherapie (Produktgruppe 17), wie beispielsweise die Berücksichtigung der KPE im Sinne einer stadiengerechten Behandlung, Klassifikation Lymphödeme und Lipödem gemäß Leitlinien, Aufnahme neuer Zusätze ins Hilfsmittelverzeichnis und eine feinere Unterteilung in den Strumpfformen bzw. -arten. Als Folgen für den Leistungserbringer ergäben sich eine Änderung des Artikelstamms und eine freie Kalkulation, da für neue Strumpfformen bzw. Produktarten oft noch keine vertraglichen Abrechnungspositionen vereinbart sind. Dadurch sei mitunter keine Übertragung über die elektronischen Schnittstellen möglich. Tendenziell werde die Notwendigkeit von Flachstrickversorgungen, so Martig, von den Krankenkassen weniger in Zweifel gezogen. 

 

Spende für einen guten Zweck 

Im Rahmen des Symposiums überreichte Herr Roger Willms, Bereichsleiter Strategie Julius Zorn GmbH, an Frau Dr. med. Michaela Knestele und Herrn Ralph Martig, stellvertretend für die Deutsche Gesellschaft für Lymphologie, einen Spendenscheck über 7.000 Euro. Der Betrag soll der Unterstützung weiterer Forschungsvorhaben zugutekommen.  

 

Die Initiatoren der Veranstaltung waren mit den Besucherzahlen und der Resonanz überaus zufrieden. Die Vorbereitung für das „11. Münchner Lymph-Symposium“ laufen bereits, die Veranstaltung wird am 27.06.2020 stattfinden. Weitere Infos zum nächstjährigen Symposium folgen unter www.juzo.de
 

Referenten

Thiha Aung

Assistenzarzt 
Universitätsklinikum Regensburg 
Abteilung für Plastische, Hand- und 
Wiederherstellungschirurgie 
Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg

PD Dr. med. Gunther Felmerer

Leitender Arzt 
Schwerpunkt Plastische und Ästhetische Chirurgie 
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie 
Universitätsmedizin Göttingen 
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen

Dr. med.  Alexander Florek

Leitender Oberarzt 
ELBLANDKLINIKUM Radebeul 
Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie 
Heinrich-Zille-Straße 13, 01445 Radebeul

 

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Evi Fuchs

Physiotherapeutin, Lymphtherapeutin 
Praxis für Physiotherapie, Lymphzentrum 
Großhadern 
Würmtalstraße 100, 81375 München

Carina Heckel 

Oberärztin
Wundzentrum Allgäu 
Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren 
Dr.-Gutermann-Straße 2, 87600 Kaufbeuren

 

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Dr. med. Ziad Kalash

Oberarzt 
Leiter der Sektion Plastische Chirurgie der Brust 
Universitätsklinikum Freiburg 
Klinik für Plastische und Handchirurgie 
Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg

Dr. med. Michaela Knestele

Chefärztin 
Wundzentrum Allgäu 
Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren 
Dr.-Gutermann-Straße 2, 87600 Kaufbeuren

 

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Ralph Martig

Prokurist, Bereichsleitung Lymphologie 
Sanitätshaus Schaub KG 
Bötzinger Straße 55 , 79111 Freiburg

Hans Pritschow

Lymphdrainagetherapeut, Fachlehrer MLD / KPE 
Zentrum für Manuelle Lymphdrainage 
Goethestrasse 17, 79183 Waldkirch

 

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Dr. med. Stefan Rapprich

Facharzt für Dermatologie, Phlebologie 
Hautmedizin Bad Soden PartG 
Kronberger Straße 36 A, 65812 Bad Soden

Dr. med. Anett Reißhauer

Leitung Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation 
Charité-Universitätsmedizin, Berlin 
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

 

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Dr. med. Klaus Schrader

Allgemeinarzt, Phlebologie, Lymphologie BVL/DGLTM
Praxis für Gefäßkrankheiten 
Karlstraße 14, 95213 Münchberg

 

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Dr. med. Christian Schuchhardt

Internist, Hämatologe, Internistischer Onkologe 
Eggstraße 18, 79117 Freiburg

 

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Prof. Dr. med. Peter L. Stollwerck

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Notfallmedizin 
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf 
Studiengangsleitung Medizinische Assistenz – Chirurgie (B.Sc.) 
Alte Landstraße 179, 40489 Düsseldorf 


Oberarzt 
Sektion Plastische, Ästhetische und Handchirurgie 
Klinikum Gütersloh gGmbH 
Reckenberger Straße 19, 33332 Gütersloh

 

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Dr. med. Ulrike Walz-Eschenlohr

Oberärztin 
Ernährungsmedizinerin DAEM/DGEM, Phlebologie/ Lymphologie 
Földiklinik GmbH & Co. KG 
Rößlehofweg 2-6, 79856 Hinterzarten

 

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Rückblick 2019 - Impressionen vom 10. Münchner Lymph-Symposium

In unseren Impressionen haben wir eine Auswahl an Bildern der Veranstaltung für Sie bereitgestellt. Weitere Bilder des 10. Münchner Lymph-Symposiums finden Sie in unserer Bildergalerie online unter www.galerie.juzo.com. Das Passwort erhalten Sie von unserer Symposium-Ansprechpartnerin Dace Zanker