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7. Bochumer Lymphtag

Lymphödem-Therapie als Ganzes - ein interprofessionelles Teamwork

27.01.2018 - Bochum


Die Lymphologie ist eine spannende interprofessionelle und interdisziplinäre Fachrichtung, die alle in der Therapie und der Patientenversorgung Beteiligten immer wieder vor neue Herausforderungen stelle, so der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. med. Markus Stücker,  Geschäftsführender Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum in seiner Begrüßungsrede.


Auf die mehr als 400 Besucher aus Ärzteschaft, Therapie und medizinischem Fachhandel warteten hochkarätige Vorträge über die besondere Problematik von Lymphödemen mit Begleiterkrankungen, wie z.B. Rheuma, Diabetes oder chronische Wunden und deren Therapie-Optionen.


Ein weiterer hochaktueller Themenkomplex befasste sich mit der in die neue Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Lymphödeme“ aufgenommenen 5. Säule der KPE, dem Selbstmanagement, und beleuchtete dabei die Rolle des Arztes, des Therapeuten sowie des Patienten.

Lymphödeme und Komorbiditäten

Dr. med Uta Kiltz, Herne,  behandelte in ihrem Vortrag  das Thema „Lymphödeme und Rheuma“.  Anhand diverser Krankheitsbilder wie Dermatomyositis, Gicht oder Eosinophiler Fasziitis zeigte sie die Notwendigkeit der interdisziplinären Herangehensweise auf. Die Therapie in der Rheumatolgie erfolge immer kausal.


Einen Überblick über die mikro- und makrovaskulären Folgen des Diabetes Mellitus sowie die Behandlung des Diabetischen Fußes gab Dr. med. Kirsten Kampmannn, Bochum. Ödeme seien  vor allem Anzeichen signifikanter Komorbiditäten des Diabetes Mellitus wie Herz- oder Niereninsuffizienz oder Krebserkrankungen.


Die periphere arterielle Verschlusskrankheit als Kontraindikation für die Kompression in der Ödemtherapie diskutierte Dr. med. Dominic Mühlberger, Bochum. Lediglich bei pAVK Stadium III und IV sei Kompression absolut kontraindiziert. Bei pedalem Druck > 60 und Zehendruck > 30 sei (leichte) Kompression denkbar. Eine gefäßchirurgische bzw. angiologische Abklärung sei  jedoch immer anzuraten.

CRPS (Morbus Sudeck): Diagnostik und Therapie

Diagnostik und Therapie des CRPS (Complex Regional Pain Syndrome)waren Thema von Prof. Dr. med. Christoph Maier, Bochum. In 95 % aller Fälle wären nur geringe Traumata oder Operationen Auslöser des seltenen Krankheitsbildes, das sich durch schwere sensorische, motorische und autonome Störungen des Nervensystems , aber u.a. auch durch Schmerzen, Ödeme und Trophische Störungen auszeichne. Wichtig für den Behandlungserfolg sei frühe Diagnostik, nur kurze medikamentöse Therapie und frühzeitige nicht-pharmakologische Therapie, u.a. mit Physiotherapie, Lymphdrainage und Kompressionstherapie.


Über arzneimittelinduzierte Ödeme referierte Dr. med. Michael Oberlin, Hinterzarten. 40 % der Bevölkerung nähmen mehr als 5 Medikamente ein. Von über 900 Medikamenten seien bei 330 als Nebenwirkung „Ödem“ beschrieben. Es könnten sowohl periphere Ödeme auftreten, als sich auch vorbestehende (Lymph-)Ödeme verschlechtern. Häufige Ödemursache sei die Na (Kochsalz)-Retention, die zu erhöhtem Plasmavolumen führte. Auch das Absetzen von Diuretika könne die Entstehung von Ödemen begünstigen. Generell gelte es bei der Verordnung  neuer Arzneimittel für (Lymph-)Ödempatienten gut abzuwägen: Weniger sei manchmal besser.


Prof.Dr. med. Markus Stücker, Bochum,  widmete sich dem Thema „Lymphödem und Schwangerschaft“. Das Risiko, ein Lymphödem zu vererben, sei gering. Bei sekundären Lymphödemen bestehe generell keine Gefahr, auch bei primären Lymphödemen seien nur 1-3 % hereditär. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestehendes Lymphödem sich durch eine Schwangerschaft verschlechtere, sei mit 10 % gering. Dagegen seien Längenzunahmen der Füße und Hautveränderungen wie Juckreiz, Trockenheit und schnelleres Nagelwachstum in  der Schwangerschaft häufig zu beobachten.


 Die Auswirkungen von Lymphödemen auf die Psyche beleuchtete Mag. Dr. Barbara Mösinger-Strubreither, Walchsee / Österreich. Chronische Erkrankungen führten häufig zu psychischen Belastungen der Betroffenen. Wichtig sei es daher, während der Therapie die Patienten durch gezielte Wissensvermittlung und Sozialkompetenztraining mündig zu machen, die (Selbst-)Akzeptanz zu fördern und ihnen zu helfen, mit ihrer neuen Situation zurechtzukommen. Auch Gespräche  mit den Angehörigen und v.a. den Kindern seien sehr wichtig.

Patienten-Selbstmanagement als 5. Säule der KPE

Über die Wichtigkeit des Patienten-Selbstmanagements als 5. Säule der KPE aus der Sicht der Betroffenen berichtete Susanne Helmbrecht, Vorsitzende Lymphselbsthilfe e.V, Herzogenaurach. Aufklärung aller Patienten über das Lymphödemrisiko sowie Art, Manifestationsformen und mögliche Verläufe der chronischen Krankheit seien ebenso wichtig wie Schulungen der Betroffenen in Atemübungen, Bewegung, Ernährung, Hautpflege etc.. Vermittelt werden müssten auch Kenntnisse über die Funktionsweise des Lymphsystems, die verschiedenen Kompressionsmaterialien, einfache Lymphgriffe und Selbstbandage.


Entstauungsgymnastik solle durch fließende Bewegungen in Abflussrichtung des Lymphsystems zur Unterstützung der Lymphentstauung im Rahmen des Selbstmanagements beitragen, so Sporttherapeutin Annette Dunker, Plettenberg,  im Anschluss. Dies demonstrierte sie anschaulich an verschiedenen Übungen. Auch ging sie auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen des ambulanten Rehabilitationssports und die verpflichtenden qualitätssichernden Maßnahmen für die Leistungserbringer ein.


Was außer Manueller Lymphdrainage und Kompression können wir den Lymphpatienten empfehlen? Diese Frage stellte Karin Schiller-Moll, Fachlehrerin für KPE, Aachen . Neben der Aufklärung des Patienten seien vor allem Atem- und Entstauungsgymnastik wichtig. Sport müsse dabei Spaß machen, Überlastungen gelte es zu vermeiden. Auch im Fokus seien aktive und passive ergänzende Therapietechniken zur Schmerzreduzierung und Verbesserung des Lymphflusses sowie die Anleitung zur Selbstbandagierung und Eigendrainage. Unterstützende Hilfsmittel  wären u.a. Verbandschuhe, Venenwippen, Bein- und Armtrainer, spezielle Hautpflegemittel, Entlastungs-BH´s, An- und Ausziehhilfen für Kompressionsbestrumpfungen, ausgleichende Silikonpelotten und druckerhöhende, fibroselockernde Einlagen.


Die Defizite der ambulanten Versorgung aus Sicht von Arzt, Therapeut, Fachhandel und Patient beleuchtete Orthopädietechnik-Meisterin Sandra Völler, Osnabrück. Die stationäre Therapie  stelle jedoch keine ausreichende Alternative dar. Am Beispiel des Wund- und Lymphzentrums Osnabrück e.V. zeigte sie auf, wie ein Netzwerk aus verschiedenen Fachrichtungen wie z.B. Ärzten, Physiotherapeuten, Wundexperten, Podologen und Sanitätshäusern helfen könne, die Behandlung zu optimieren und die Therapieabbrüche deutlich zu reduzieren.


Der wissenschaftliche Leiter Prof. med. Markus Stücker und die Veranstalter,  Firma Juzo in Zusammenarbeit mit der Akademie für medizinische Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe,  freuten sich über die gute Resonanz auf dieses Symposiums. Die Vorbereitungen für den 8. Bochumer Lymphtag laufen bereits.

Referenten

Annette Dunker

Sporttherapeutin
Köbbinhausen 33
58840 Plettenberg



Entstauungsgymnastik

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Susanne Helmbrecht

Dipl.-Psychologin
Vorsitzende Lymphselbsthilfe e.V.
Zum Köpfwasen 9
91074 Herzogenaurach

Dr. med. Kirsten Kampmann

Oberärztin,
Fachärztin für Innere Medizin
Katholisches Klinikum Bochum
Abteilung für Diabetologie
Medizinische Klinik I –
Innere Medizin
Gudrunstraße 56
44791 Bochum

Dr. med. Uta Kiltz

Oberärztin, Fachärztin für
Innere Medizin und
Rheumatologie
Rheumazentrum Ruhrgebiet
Claudiusstr. 45
44649 Herne

Prof. Dr. med. Christoph Maier

Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin
Abteilung für Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

MMAg. Dr. Barbara Mösinger- Strubreither

Klinische- und Gesundheits-psychologin, Psychotherapeutin
Wittlinger Therapiezentrum
Alleestraße 30
6344 Walchsee / Österreich





Lymphödeme und Psyche

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Dr. med. Michael Oberlin

Facharzt für Innere Medizin
Földiklinik GmbH & Co. KG
Rößlehofweg 2-6
79856 Hinterzarten







Arzneimittelinduzierte Ödeme

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Dr. med. univ. Dr. med. Dominic Mühlberger

Facharzt für Gefäßchirurgie
St. Josef- und St. Elisabeth-Hospital
Gudrunstraße 56
44791 Bochum

Karin Schiller-Moll

Physiotherapeutin bc.nl, Fachlehrerin KPE
Theaterstraße 42
52062 Aachen







Was außer Manuelle Lymphdrainage und Kompression können wir dem Lymphpatienten empfehlen?

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Prof. Dr. med. Markus Stücker

Ltd. Arzt Interdisziplinäres Venenzentrum,
Geschäftsführender Direktor der Klink für der Dermatologie, Venerologie und Allergologie
St.-Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Hiltroper Landwehr 11 – 13
44805 Bochum

Sandra Völler

Orthopädietechnik-Meisterin
Orthopädie-Technik S. Völler
Lohstr. 33 + 35a
49074 Osnabrück







Arbeiten im Lymphnetz: Chancen und Nutzen?

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Impressionen vom 7. Bochumer Lymphtag 2018

Mit den Besucherzahlen und auch der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren hochzufrieden.

In unseren Impressionen haben wir eine Auswahl an Bildern der Veranstaltung für Sie bereitgestellt. Weitere Bilder des 7. Bochumer Lymphtags finden Sie in unserer Bildergalerie online unter www.galerie.juzo.com. Das Passwort erhalten Sie von unserer Symposium-Ansprechpartnerin Dace Mezsarga