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3. Internationales Phlebologisches Symposium

Venenerkrankungen: Prävention, Therapie und Phlebologische Kontroversen

24.11.2018 - Unterschleißheim bei München

Die Phlebologie unterliegt immer wieder neuen Entwicklungen und damit auch Kontroversen. So werden frühere Kontraindikationen für die Kompressionstherapie zu Indikationen. Auch eröffnen sich neue Einsatzgebiete der Kompression bei nicht-phlebologischen Indikationen, insbesondere in der Prophylaxe.

Im Rahmen des von der Firma Juzo veranstalteten 3. Internationalen Phlebologischen Symposiums wurden eine Vielzahl therapeutischer Möglichkeiten, von konservativ über endoluminal bis chirurgisch, bei seltenen und ausgeprägten Befunden, wie z. B. den Angiodysplasien, vorgestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die konservative Therapie von Patienten mit chronischen Wunden, insbesondere auch die Möglichkeiten und Grenzen des Patienten-Selbstmanagements, mit praktischen Demonstrationen.

Die wissenschaftliche Leiterin Frau Prof. Dr. med. Anke Strölin, leitende Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik Tübingen, freute sich, rund 250 Besucher aus 8 Ländern begrüßen zu dürfen. Das Symposium richtete sich nicht nur an phlebologisch tätige Ärzte, sondern auch an Wundexperten, Therapeuten und Versorgungsfachkräfte des medizinischen Fachhandels.


Prävention

Die Rolle der Kompressionstherapie bei der Vorbeugung der Varikose sowie zur Rezidivverhinderung des Ulcus Cruris beleuchtete Univ.-Doz. Dr. med. Sanja Schuller-Petrovic, Wien. Zwar gebe es keine randomisierten klinischen Studien, die den prophylaktischen Effekt der Kompression auf die Progression der Venenerkrankung dokumentierten. Es bestehe jedoch eine sehr gute Evidenz zu ihrer Effektivität zur Besserung der Beschwerden bei Varizen. Auch führe die Kompression zu geringeren Rezidivraten nach Ulcus cruris venosum. Je höher hier die Kompression, desto besser die erzielten Ergebnisse, jedoch müsse immer die Compliance der Patienten mit berücksichtigt werden. Auch MKS mit niedriger Kompression seien effektiver als keine Kompression. Mit individuellen Lösungen wie modernen Wrap-Systemen (z.B. Compression-Wrap) ließe sich die Compliance steigern, so Dr. Schuller-Petrovic.

Die international unterschiedlichen Kompressionsklassen-Einteilungen stellte Frau Prof. Dr. med. Birgit Kahle, Lübeck, in ihrem Vortrag “Die Kompressionsklasse 1: Prophylaxe oder Therapie“ dar. So entspräche die deutsche KKL 1 der französischen und britischen KKL 2 und sei dort die meist verordnete Kompressionsklasse. Entsprechend einer UIP-Studie bestünden zwischen KKL1 und 2 keine Unterschiede bzgl. der Verringerung des Venendurchmessers oder der Erhöhung der venösen Flussgeschwindigkeit. Beide führten zu einer signifikanten Verbesserung des Venoarteriellen Flow-Index (VAFI). In Deutschland bestehe jedoch eine klare Präferenz für die Kompressionsklasse 2. Prof. Kahle vertrat die Ansicht, dass ein Strumpf KKL 1 mit hoher Stiffness wirksamer sein könne als KKL 2 mit niedriger Stiffness.

In der orthopädischen Rehabilitation nach Implantationen von Endoprothesen des Knie- und Hüftgelenkes stehe der behandelnde Arzt vor den Herausforderungen, dem Patienten mit einem oft ausgeprägtem postoperativen Ödem eine ausreichende Thromboseprophylaxe und eine aktive und intensive Rehabilitation zukommen zu lassen. So Dr. med. Christian Lange, Bad Camberg, in seinem Vortrag über die post-operative Anwendung von Kompressionsstrümpfen bei nicht-phlebologischen Indikationen. In dieser Phase hätten sich die medizinischen Kompressionsstrümpfe Klasse 2  bewährt, um aktiv die Rehabilitation zu unterstützen. Hierbei werde die Schwellung reduziert, die Mobilität verbessert, die Schmerzen vermindert und die Thromboseprophylaxe verbessert. Gegenüber Verbänden sei der Druck konstanter und die Compliance höher. Auch würden sie das Budget nicht belasten.


Kontroversen in der Phlebologie

Herzinsuffizienz und Varikosis - Kompression ausgeschlossen? Dieser Fragestellung widmete sich Dr. med Sören Sörensen, Mainburg. Die Prävalenz der Varikosis und der Herzinsuffizienz sei hoch und steige mit zunehmendem Alter an. Somit ergäbe sich eine hohe Schnittmenge von Menschen, die an beiden Erkrankungen leiden. Die Herzinsuffizienz sei ein klinisches Syndrom, das über seine Symptome definiert sei. Hier lohne also ein genauerer Blick auf die ursächlichen Entitäten. In leichteren Stadien mit wenigen Symptomen und in kompensierten höhergradigen Stadien sei eine Kompression aus der alltäglichen klinischen Erfahrung in der Kardiologie kein Problem. Analogien ließen sich vielleicht auch über die positive Wirkung von sportlicher Aktivität auf eine Herzinsuffizienz herstellen. Bei einer akuten Dekompensation sei eine Kompression nur mit gleichzeitiger diuretischer Therapie und unter engmaschiger klinischer Überwachung sinnvoll.

In den letzten Jahren nehme die Anzahl der Sportler, die Kompressionstextilien im Breiten- und Leistungssport tragen, zu. Ziele seien die Verbesserung der Sauerstoffversorgung während sportlicher Belastung, die schnelle Regeneration der Beinmuskulatur sowie der Schutz von Gelenken, Muskeln und Sehnen. Laut Frau Prof. Dr. med. Anke Strölin, Tübingen,  sei die Studienlage zu diesem Thema jedoch sehr unübersichtlich: es gebe viele Studien, die keinen direkten Effekt auf die Leistungsfähigkeit von Sportlern nachweisen konnten sowie einige Studien mit überwiegend positiven Effekten. Die optimale Kompressionsware, Kompressionsstärke und der Druckgradient seien jedoch Gegenstand weiterer Diskussionen, insbesondere das Thema ‚progressive Kompression‘ sei Thema aktueller Studien. Nach den bisherigen Ergebnissen profitierten venengesunde Sportler von Kompressionsstrümpfen mit progressiver Kompression, bei venenkranken Sportlern mit insuffizienten Klappen würden bisher degressive Kompressionsmaterialien empfohlen. Ob sich hier ein Paradigmenwechsel anbahne, müssten weitere Studien, insbesondere bei Patienten mit einer chronischen venösen Insuffizienz, zeigen. Positive psychologische Effekte, in der Regel ohne nachweisbare Verbesserung biologischer Werte durch die Kompressionstherapie, seien unbestritten.

Einen umfassenden Überblick über Symptomatik, nicht-invasive Diagnostik und Therapie vaskulärer Anomalien gab Dr. med. Hubert Stiegler, München.  Neben kapillären, venösen, arteriovenösen und lymphatischen Malformationen stellte er auch Sonderformen wie das Pyogene Granulom vor. Vaskuläre Malformationen entwickelten sich zwischen der 2. und 10. Embryonal-Woche. Meist handele es sich um sporadische, lokalisierte somatische Mutationen. Ihre Prävalenz werde auf  4,5 % geschätzt. Es werde zwischen fast-/slow-flow und gemischten Malformationen unterschieden. Anamneseerhebung, klinische Untersuchung und Bildgebung seien die diagnostischen Goldstandards. Neben der Kompressionstherapie seien Sklerotherapie, Laserbehandlung und Embolisationen die Haupttherapieoptionen.


Therapie ausgeprägter Befunde

Frau Dr. Iris Weingard, Freiburg, stellte in ihrem Vortrag klassische Stripping-OP und moderne endoluminale Verfahren gegenüber. Die Krossektomie und das Stripping insuffizienter Venenabschnitte gälten bisher als die Methoden der Wahl zur Behandlung der Stammvarikose. In den letzten Jahren hätten neue minimal invasive endovenöse Methoden wie z.B. Radial-Laser, Radiofrequenzinduzierte Thermotherapie oder Steam Vein Sclerosis an Bedeutung gewonnen.
Ein Qualitätskriterium in der Therapie sei es, eine möglichst lange Zeit postoperativ Rezidivfreiheit zu erzielen. Um dies zu erreichen, sei im Vorfeld eine fundierte präoperative Diagnostik sehr wichtig. Mithilfe von Funktionsmessungen, die über die Hämodynamik Auskunft geben, als auch hauptsächlich mit einer suffizienten Duplexuntersuchung , die ermögliche, die Insuffizienzpunkte der Varizen, sowohl von Stammvenen als auch von akzessorischen Venen zu beschreiben, sei es dem erfahrenen Phlebologen möglich, das vorliegende Krankheitsbild zu beurteilen, und dem Patienten mögliche Therapieoptionen vorzustellen. Letztendlich komme die Methodenvielfalt dem Patienten zu Gute, denn es könne heute das Verfahren ausgewählt werden, welches für den Patienten und für den bestehenden Krampfaderbefund am besten ist.

Dass Varizentherapie und Venenerhalt nicht immer ein Widerspruch sein müssen, erläuterte Dr. med. univ. Dr. med. Dominic Mühlberger, Bochum. Die üblichen Methoden zur Behandlung einer Stammveneninsuffizienz der V. saphena magna hätten das Ziel, die Vene zu entfernen oder zu zerstören, um so den Reflux auszuschalten. Dies wäre beispielsweise bei der klassischen Cross- und Saphenektomie bzw. bei den endovenösen Verfahren oder der Sklerosierungstherapie der Fall. Mit Hilfe der extraluminalen Valvuloplastie könne die V. saphena magna konserviert und als mögliches Bypassgefäß für eine gefäßchirurgische bzw. herzchirurgische Revaskularisation erhalten bleiben. Eine „klassische“ Indikation für die Durchführung einer extraluminalen Valvuloplastie sei beispielsweise eine Stammveneninsuffizienz der V. saphena magna im Stadium Hach I mit Fortleitung des Refluxes über die V. saphena acc. anterior. Das Prinzip der extraluminalen Valvuloplastie bestehe in einer Reduktion des mündungsnahen Durchmessers der Vena saphena magna. Durch die Implantation des Venenpatches und der damit verbunden Reduzierung des Venendurchmessers komme es wieder zu einem funktionsfähigen Schluss der terminalen bzw. präterminalen Venenklappe.

Möglichkeiten und Grenzen der Kompressionstherapie bei Patienten mit chronischen Wunden waren Thema der Präsentation von Monika Rakers, Bad Lippspringe. Das wichtigste bei der Ulcus-Versorgung sei Kompression. Durch fehlerhaftes Anmessen und nicht indikationsgerechtes Material könne der Therapieerfolg jedoch negativ beeinflusst werden, wie sie an zahlreichen Patientenbildern anschaulich verdeutlichte. Im Rahmen des Selbstmanagements sprach sie sich für die Anwendung moderner Bandagier- und Kompressionssysteme aus, da diese leicht anzulegen seien, Tag und Nacht getragen werden können und der Patient den Druck selbst bestimmen könne. Generell empfahl Frau Rakers, die Patienten in ihre Kompressionsversorgung „hineinwachsen“ zu lassen. Auch wenn Kompressionsklasse 3 benötigt würde, wäre es besser, als Erstversorgung eine Klasse 1 oder 2 zu nehmen.

Im Rahmen des Symposiums wurde  ein Spendenscheck in Höhe von 5.000 EUR an Frau Prof. Dr. med. Anke Strölin überreicht. Den Betrag spendete Juzo zu Gunsten des Fördervereins für krebskranke Kinder e. V. in Tübingen.

Die Resonanz der Teilnehmer und Referenten war äußerst positiv. Deshalb wird es auch nächstes Jahr ein Internationales Phlebologisches Symposium  geben: Es findet am 16. November 2019 in Berlin statt. Mehr Informationen bei Frau Dace Zanker (Tel. +49 (0)8251 901 406, E-Mail dace.zanker@juzo.de).

In Zusammenarbeit mit:

Sponsor:

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH · 10785 Berlin · Deutschland
www.sanofi.de · (1.000 €)

Referenten

Prof. Dr. med. Birgit Kahle

Leitende Oberärztin
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

Dr. med. Christian Lange

Chefarzt
MEDIAN Hohenfeld-Klinik Bad Camberg
Hohenfeldstraße 12 - 14, 65520 Bad Camberg

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Dr. med. univ. Dr. med. Dominic Mühlberger

Facharzt für Gefäßchirurgie
Klinik für Gefäßchirurgie
Katholisches Klinikum Bochum
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum

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Monika Rakers

Medizinprodukte-Beraterin
Sanitätshaus Rakers Medizinbedarf
Schulze-Delitzsch-Weg 8,
33175 Bad Lippspringe

Univ.-Doz. Dr. med. Sanja Schuller-Petrovic

Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, Angiologie
Zentrum für Haut und Vene
Alser Straße 47 / 20, 1080 Wien / Österreich

Dr. med. Sören Sörensen

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
Leitender Oberarzt Innere Medizin / Kardiologie
Ilmtalkliniken Standort Mainburg
Laurentiusweg 1, 84048 Mainburg


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Dr. med. Hubert Stiegler

Facharzt für Innere Medizin, Angiologie
Gefäßzentrum Münchner Freiheit
Haimhauserstraße 4, 80802 München

Prof. Dr. med. Anke Strölin

Leitende Oberärztin
Universitäts-Hautklinik Tübingen
Liebermeisterstraße 25, 72076 Tübinge


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Dr. med. Iris Weingard

Fachärztin für Allgemeinmedizin, Phlebologie
Venenzentrum Freiburg
Zähringer Straße 14, 79108 Freiburg


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Impressionen vom 3. Internationalen Phlebologischen Symposium in München

Unter dem Titel „Venenerkrankungen: Prävention, Therapie und Phlebologische Kontroversen“ verfolgten rund 250 Teilnehmer aus 8 Ländern die interdisziplinären Vorträge und nutzten die Möglichkeit sich fachlich auszutauschen.

In unseren Impressionen haben wir eine Auswahl an Bildern der Veranstaltung für Sie bereitgestellt. Weitere Bilder des 3. Internationalen Phlebologischen Symposiums finden Sie in unserer Bildergalerie online unter www.galerie.juzo.com. Das Passwort erhalten Sie von unserer Symposium-Ansprechpartnerin Dace Zanker