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1. Kölner Interdisziplinäres Symposium

Lymphhologie trifft Narbentherapie

07.09.2018 - 08.09.2018 - Köln


„Lymphologie trifft Narbentherapie“ war der Titel des 1. Kölner Interdisziplinären Symposiums, das am 07. und 08. September 2018 stattfand.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller, Facharzt für Dermatologie an der Hanse-Klinik Lübeck, und Prof. Dr. med. Peter Stollwerck, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Münster, hatte Juzo Ärzte, Therapeuten, Wundversorger und den medizinischen Fachhandel in die Tagungsräume des Rhein-Energie-Stadions eingeladen. Unterstützt wurde die Fortbildung von Firma rahm Zentrum für Gesundheit GmbH, Troisdorf-Spich.

Dank des engagierten Einsatzes vieler Ärzte und Therapeuten, des medizinischen Fachhandels und nicht zuletzt der betroffenen Patienten haben die Therapieerfolge bei lymphatischen Erkrankungen und bei Narben in jüngster Zeit eine überaus positive Entwicklung genommen. Daraus sind immer mehr interdisziplinäre und interprofessionelle
Brücken entstanden. Mit dem 1. Kölner Interdisziplinären Symposium konnte an diese kooperativen Fortschritte angeknüpft und den Teilnehmern verschiedene lymphologische und narbentherapeutische Behandlungsoptionen nahegebracht werden, angefangen von modernen konservativen Maßnahmen, über chirurgische Möglichkeiten, bis hin zur Frage der Interaktion von Ödem und Narbe.

Auf die über 250 Teilnehmer  aus Ärzteschaft, Therapie und medizinischem Fachhandel wartete an den beiden Tagen ein anspruchsvolles Programm mit mehr als 20 Fachvorträgen und Praxisseminaren.

Ziel war es, so Prof. Dr. med. Schmeller, eine weitere Brücke zu bauen zwischen den an der Therapie von Ödemen und Narben beteiligten medizinischen Fachdisziplinen und Professionen.

Praxis-Seminare Lymphologie

In einer eindrucksvollen Praxisdemonstration zur Manuellen Entstauungstherapie stellte Karin Schiller-Moll, Aachen, Techniken der KPE und Manuellen Lymphdrainage vor und gab einen Einblick in die Versorgungsmöglichkeiten mit modernen Bandagehilfen.

Diagnose- und patientenorientierte Möglichkeiten bei der lymphologischen Kompressionsbestrumpfung standen im Focus von Christine Hemmann-Moll, Bad Rappenau. Wichtig sei es, nicht nur auf das Lymphödem selbst zu achten, sondern auch auf die individuelle Lebenssituation, die Adhärenz/ Compliance und evtl. Komorbiditäten des Patienten mit einzubeziehen, um Therapieabbrüche zu vermeiden und Therapie dort zu ermöglichen, wo sie sonst scheitere; hilfreich könnten hier adaptiven Kompressionssysteme ( z.B. ACS light und SoftCompress) in Ergänzung sein.

Kompressionsstrümpfe anzulegen erfordere für den Patienten einige Übung. Entscheidend für den Erfolg sei ein aufgeklärter Patient, der die Bedeutung der Therapiemaßnahme verstehe und akzeptiere. 

Umfangreiche Einweisung durch qualifizierte Mitarbeiter des versorgenden Sanitätshauses in Materialhandhabung sowie Anziehtechnik sei ein entscheidender Bestandteil der Versorgung. Eine Vielzahl von An- und Ausziehhilfen für alle Patientenbedürfnisse sind im Fachhandel verfügbar.  

Praxis-Seminare Narbentherapie

Über seine praktischen Erfahrungen in der Physiotherapie von Schwerbrandverletzten berichtete Wolfgang Feldl, Leitung Physikalische Therapie im Reha Zentrum Passauer Wolf, Bad Griesbach. Seit 1995 würden hier Patienten behandelt, die direkt nach der Versorgung im Akutkrankenhaus oder zur Erhaltung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu einer Behandlung bzw. Wiederholungsbehandlung kämen.

Ziel der Narbentherapie sei es, die Narbenstruktur zu verbessern, die Beweglichkeit des Patienten wieder herzustellen und  die Durchführung der Aufgaben des alltäglichen Lebens zu ermöglichen. Es werde nach einem speziell auf den Patienten zugeschnittenen Konzept gearbeitet, das die Physikalische Therapie (Narbenmassage, Balneotherapie, Elektrotherapie, Kompression), sowie die Physiotherapie, Ergotherapie und Medizinische Sporttherapie beinhalte. Nicht unmaßgeblich seien auch das Wundmanagement, die Psychologie und die Einbindung von Logopäden oder auch Sozialarbeitern. Der Patient erhalte hochfrequente Therapieeinheiten, bei denen ein Therapietag 8-10 Anwendungen haben könne. An einer Patientin demonstrierte Hr.  Feldl live verschiedene Massagetechniken zum Aufdehnen von Narbengewebe.

Die Einsatzmöglichkeiten von Silikon in der Narbentherapie waren Thema des Vortrags von Guido Sinram, Gesundheitshaus Fuchs & Möller, Mannheim. Die Kompressionsversorgung mit Flachstrickmaterial sei in der Narbentherapie unentbehrlich. Deren Wirkung könne jedoch durch die Kombination mit Silikon noch deutlich verbessert werden. Silikon wirke dabei wie ein Okklusivverband: Die natürliche Feuchtigkeit der Haut bliebe erhalten und das Narbengewebe trockne nicht aus, sondern würde eher weicher. Standard-Silikonauflagen und -pelotten seien jedoch nur begrenzt einsetzbar. Sie seien nicht geeignet für Sonderformen, gelenkübergreifende Areale oder konkave Bereiche. Die Lösung liege hier in der maßgefertigten Silikon-Versorgung. Diese eigne sich als Dauerversorgung für den gesamten Behandlungszeitraum, sei hygienischer und ermögliche durch angenehmere Trageeigenschaften eine längere Tragedauer und damit größere Therapiewirkung.

Auf die individuellen Versorgungsmöglichkeiten in der Narbenkompression ging Petra Gerlach-Geltl, Sanitätshaus Waxenberger, Pfarrkirchen ein.  Wichtig für die Compliance des Patienten und den Erfolg der Therapie seien das korrekte Anmessen im Fachhandel, die richtige Produktwahl und die maßgenaue Herstellung. In der Narbenkompression werde vorrangig Flachstrick  eingesetzt. Das feste stabile Gestrick schnüre nicht ein, ermögliche eine konstante Kompression und biete maßgefertigt eine optimale Passform. Für die Narbentherapie werde die Naht immer auf die Außenseite gelegt, um Hautirritationen zu vermeiden. Zusätzlich können Trikotfutter zur Verhinderung von Reibung an verschiedenen Stellen sowie Silikon-Pads eingearbeitet werden. Bei starkem Juckreiz seien Versorgungen mit eingestricktem Silberfaden zu empfehlen. Für mehr Compliance stünden verschiedene Farbtöne zur Auswahl, speziell für Kinder könnten die Versorgungen auch mit lustigen Bügelbildern versehen werden

Der Fixateur externe sei oft unverzichtbar in der Frakturbehandlung, so PD Dr. med. Hans Goost, Wermelskirchen. Zum Einsatz käme er beispielsweise bei Polytrauma-versorgungen, Weichteilschäden, Infektionen, aber auch bei Extremitätenverlängerung. Auch könne er vorübergehend im Falle von begrenzten Ressourcen oder geringer Erfahrung des Operateurs verwendet werden. Die Einsatzdauer könne Tage bis zu mehreren Monaten betragen, bis die Ödematisierung zurückgegangen bzw. der Patient operabel sei. Auch eine Ausheilung im Fixateur sei möglich.
Als Probleme könnten Lymphödeme, Jucken, Wundnässen oder Infektionen entstehen. Hier hätte sich die Kompressionstherapie als effektive, kostengünstige und für den Patienten angenehme Lösung bewährt. An einem Patientenbeispiel demonstrierte PD Dr. med. Hans Goost den Behandlungsverlauf mit dem neuen Juzo Expert Kompressions-strumpf bei Fixateur externe.

Fachvorträge Lymphologie

Über den aktuellen Stand, Schwerpunkte und Handlungsempfehlungen der AWMF-Leitlinie „Lymphödem“, an der 32 Fachgesellschaften, auch aus Österreich und der Schweiz, mitgewirkt haben, informierte Dr. med. Michael Oberlin, Hinterzarten. Neu seien u.a. die Aufnahme der erweiterten Diagnostik, die Erwähnung additiver manueller Behandlungstechniken und die Aufnahme der „Aufklärung und Schulung zur individuellen Selbsttherapie“ als 5. Säule der KPE. Leitlinien hätten nur jeweils eine Gültigkeit von 5 Jahren. Daher sei im April 2018 gemäß dem Motto „Nach der Leitlinie ist vor der Leitlinie“ bereits eine erste neue Studiensynopse erstellt worden zum Thema „Primärprävention des Lymphödems beim Mammakarzinom, zur „Additiven lymphologischen Chirurgie nach erfolgter KPE versus alleiniger Fortführung der KPE“ sowie zur  „ländervergleichenden Praxis der KPE in der lymphologischen Rehabilitation“.

Prof. Dr. med. Markus Stücker, Bochum, widmete sich dem Thema „Lymphödem und Schwangerschaft“. Das Risiko, ein Lymphödem zu vererben, sei gering. Bei sekundären Lymphödemen bestehe generell keine Gefahr, auch bei primären Lymphödemen seien nur 1-3 % hereditär. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestehendes Lymphödem sich durch eine Schwangerschaft verschlechtere, sei mit 10 % gering. Auch die Gefahr einer venösen Thromboembolie sei mit einer Inzidenz von 1/1000 nicht groß. Dagegen seien Längen-zunahmen der Füße und Hautveränderungen wie Juckreiz, Trockenheit und schnelleres Nagelwachstum in der Schwangerschaft häufig zu beobachten.

Ödembedingte Wunden seien die am häufigsten vorkommenden  chronischen  Wunden. Ihr Anteil beträfe ca. 80% aller chronischen Wunden. Sie verursachten Kosten von ca. 800 Millionen bis 1 Milliarde Euro jährlich, so Dr. med. Meinolf Dorka, Mayen.

Für die Betroffenen bedeuteten sie oftmals die soziale Isolation,  Arbeitsplatzverlust sowie  Analgeticaabusus und -abhängigkeit infolge chronischer Schmerzen. Eine rasche Abheilung der Wunden und die Rezidiv-Prophylaxe sei somit  das wichtigste therapeutische Ziel. Eine zentrale Bedeutung komme dabei der Ödem-Reduktion durch geeignete  Kompression in der  KPE Phase I zu. In seiner Präsentation stellte Dr. Dorka die Patho-mechanismen dar, die zum Ödem und letztendlich zur chronischen Wunde führen und verglich auch die Effektivität  und Kostenrelevanz  verschiedener  Kompressionsmethoden, die zur  Entödematisierung in der KPE Phase I verwendet  werden können.

Ab wann beginnt die lymphologische Komponente bei ausgeprägten phlebologischen Erkrankungen? Dieser Fragestellung nahm sich Johann Senkel, Phlebologe am Gefäßzentrum Köln an. Nicht jede Krampfader verursache ein Ödem. Jedoch führten die hämodynamischen Folgen einer Varikose oder des postthrombotischen Syndroms besonders bei vorliegenden begleitenden Risikofaktoren wie Adipositas, eingeschränkter Mobilität, Herzinsuffizienz oder auch vorbestehendem Lymphödem, z.B. nach Tumor oder OP, häufig zu einer Überlastung und Schädigung des Lymphsystems. In der Behandlung gelte es, die Kausalität zu beheben – Thrombosebehandlung vor Ödemtherapie. In der Kompressionstherapie plädierte Johann Senkel für eine patientengerechte Bestrumpfung: „Der Kompressionsstrumpf am Bein ist besser als der im Schrank“.

Das sekundäre Lymphödem in Klinik und Therapie war Thema des Vortrags von Frau Dr. med. Annett Reißhauer, Charité Berlin. Einer Studie mit 340 Probanden zufolge sind mit 89% vor allem Frauen vom sekundären Lymphödem  betroffen.  Neben Lokalisationen an Bein oder Arm könne das Lymphödem auch an Brust, Genitalbereich oder Kopf auftreten. Zu unterscheiden seien benigne und maligne Lymphödeme. Auch solle bei der Diagnose immer auch die Möglichkeit eines artifiziellen Ödems geprüft werden. Als häufige Komorbiditäten seien die Adipositas und Schilddrüsenerkrankungen zu nennen. Standardtherapie bei Lymphödemen sei die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Hautpflege, entstauungsfördernde Sport-/Bewegungstherapie und die Aufklärung und Schulung zur individuellen Selbst-therapie. Eine Modifikation der Therapie müsse jedoch erfolgen bei Begleiterkrankungen, Multimorbidität, Palliativsituation und auch unter Berücksichtigung des Patientenalters. In Betracht zu ziehen im Rahmen des Lymphödemmanagements seien auch additive Therapiemöglichkeiten wie Krankengymnastik, Tiefenoszillation, Sport oder auch präventive Maßnahmen.

Den optimalen Versorgungsablauf und Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammen-arbeit bei Ödem-Patienten zeigte Frau Dr. med. Gabriele Klinger, Bad Honnef, auf. Nach Anamnese, Inspektion, Palpation und Stellung der Diagnose erfolge die Therapie. Standarttherapie sei die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Diese erfolge primär ambulant, könne in besonderen Fällen aber auch stationär durchgeführt werden. Die Therapieziele seien u.a. die Verbesserung des Lymphabflusses, die Erweichung fibrosklerotischer Gewebsveränderungen, die Reduktion der Bindegewebs-vermehrung und auch die Verbesserung der Funktionsdefizite der Gliedmaßen. Dadurch solle die Wiedereingliederung der Betroffenen in ihr soziales Umfeld sowie die Vorbeugung der Pflegebedürftigkeit sowie letztendlich eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Hierzu sei eine enge Zusammenarbeit Arzt, Physiotherapeut, Sanitätshaus und Patient notwendig. 

Das Lipödem ist eine Frauenkrankheit unklarer Ursache mit Entwicklung umschriebener Unterhautfettvermehrungen im Beinbereich, selten an den Armen. Die typischen Symptome - Ödeme, Druck- und Spontanschmerzen sowie Hämatome - würden sowohl konservativ als auch operativ behandelt – so Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller, Lübeck in seinem Vortrag „Gibt es eine medizinische Indikation zur Liposuktion der Beine?“ Die konservative Therapie bewirke eine Ödembeseitigung mit konsekutiver Schmerzreduktion; diese Behandlung werde von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die in den aktuellen Leitlinien empfohlene operative Therapie in Form der Liposuktion zur Beseitigung des krankhaft vermehrten Fettgewebes sei jedoch (bisher) keine Kassenleistung. Dabei handele  es sich beim Lipödem eindeutig um eine medizinische Indikation zur Fettabsaugung. So hätten Langzeitstudien mit Nachbeobachtungen von bisher durchschnittlich 8 Jahren gute Ergebnisse bezüglich objektiver (Morphologie, Ödeme) und subjektiver Parameter (Schmerzen, Beweglichkeit, Lebensqualität) ergeben. Für die Mehrzahl der Betroffenen ergebe sich eine deutliche Reduktion der noch weiterhin notwendigen konservativen Therapie (Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbestrumpfung).

Derzeit plane der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) eine multizentrische Studie, um das Verfahren erneut – und endgültig – zu bewerten. Es sei davon auszugehen, dass die bisher gefundenen guten Ergebnisse bestätigt würden und das Verfahren zukünftig von den Krankenkassen erstattet werde.
Unter dem Titel „Vertragsärztliche Versorgung: MLD-Verordnung ohne Regress möglich?“ referierte Frau Karin Schiller-Moll über die Neuerungen im Bereich der Heilmittelverordnungen (HMV), die seit dem 01. Januar 2017 Gültigkeit haben.

Die Diagnoseliste der Anlage 2 der Heilmittel-Richtlinie sei neu überarbeitet und erweitert worden. Die Liste umfasse Diagnosen zum „langfristigen Heilmittelbedarf". Was bisher als Praxisbesonderheit bezeichnet wurde, nenne sich nun „Besonderer Verordnungsbedarf" (BVB). Die Verordnungen zum BVB würden bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen aus dem Verordnungsvolumen des verordnenden Arztes herausgerechnet. Zum Teil müssten zwei ICD-10 Codes angegeben werden und es besteht eine Genehmigungspflicht bei bestimmten gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV).

Alle Verordnungen, die einen langfristigen Heilmittelbedarf begründen, unterlägen nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Sie würden gar nicht erst in ein Prüfverfahren einbezogen. Seit dem 30.05.2017 seien nicht nur Lymphödeme im Stadium 3, sondern auch im Stadium 2 verschiedenster Lokalisation und Ätiologie, in der Diagnoseliste der Anlage 2 aufgeführt. Die „C"-Diagnosen seien weiterhin gelistet.

Fachvorträge Narbentherapie

Verschiedene Methoden zum Abtragen von nekrotischem Gewebe wie Wasserstrahl, Ultraschall oder CO2-Laser zeigte Dr. med. Markus Öhlbauer, Murnau, in seinem Vortrag „Management der Lymphe aus dem Wundbett“ auf. Sehr gute Erfolge bei der Wundbettkonditionierung von großflächigen Wunden ließen sich durch die sogenannte Unterdrucktherapie erzielen. Diese ermögliche zudem einen kontrollierten  Abtransport von Exsudat, Blut, Lymphe und bakteriellen Toxinen und reduziere auch den Schmerzmittelbedarf durch verringerte Anzahl von Verbandswechseln. Zudem habe sie einen positiven Effekt auf die Ödemreduktion und mache in einigen Fällen von tieferen Verbrennungen eine Hautübertragung unnötig.

Die Bedeutung des Ödems aus Sicht der Narbentherapie beleuchtete Prof. Dr. med. Peter L. Stollwerck, Münster. Nach Verletzungen, Tumoroperation und plastisch-chirurgischer Rekonstruktion sowie bei chronischen Wunden fänden sich häufig Kombinationen aus ödembedingter Schwellung und äußerer als auch innerer Narbenformation. Die Ursachen für die Entstehung eines Ödems seien hierbei vielfältig. Die Ödembildung wirke sich negativ auf die immunologischen Regelabläufe der Wundheilungsphasen aus, jedoch sei bisher nicht wissenschaftlich untersucht, welchen Einfluss die Ödembildung auf die Ausprägung der Narbenbildung und umgekehrt habe. Die klinische Beobachtung zeige, dass eine narbentherapeutische Behandlung in Kombination mit Kompressionstherapie sowohl eine positive Wirkung auf eine verbesserte Narbenreifung als auch auf die Dauer und Ausprägung des Gewebsödems habe. Es lasse sich beispielsweise vermuten, dass eine ödembedingte, erhöhte Spannung auf das Narbengewebe zu einer Hypertrophie und Verbreiterung der Narbe führte. Andere gegenseitige Auswirkungen zwischen Narbenbildung und Ödembildung seien wissenschaftlich ebenfalls weitgehend unerforscht. Offensichtlich habe die Reduktion oder Elimination des Gewebsödems auf immunologischer Ebene positive Auswirkungen auf die Wund- und Narbenheilung. Dies sei u.a. auf die Reduktion der inflammatorischen Prozesse zurückzuführen.

Eindrucksvolle Einblicke in das Themengebiet „Ödeme und Narben nach plastischen und handchirurgischen Operationen“ gab Prof. Dr. med. Peter Mailänder, Lübeck, anhand einer Vielzahl von Praxisfällen. Jährlich käme es in Deutschland zu 350.000 Verbrennungs-verletzungen, von denen 15.000 stationär behandelt werden müssten. Bei mehr als 80% der ca. 2.000 Schwerbrandverletzten seien die Hände mitbetroffen. Ziele bei der Handbehandlung seien ein rascher Wundverschluss, Verringerung der Narbenbildung, Erhalt der Durchblutung (Escharatomie) sowie die Sicherung der Beweglichkeit. Die beiden Therapiebausteine Lymphdrainage und Kompression sollten möglichst schnell zum Einsatz kommen. Ein Beginn mit einem Interims-Kompressionshandschuh sei zu empfehlen, nach Reduzierung der Ödeme sei eine Maßanfertigung angezeigt.

Verschiedene Methoden für die Behandlung von physiologischen atrophen und hypertrophen Narben sowie Keloiden stellte Prof. Dr. med. C. Can Cedidi, Bremen vor. Meist ließen sich bereits mit der konservativen Therapie gute Erfolge in der Verbesserung von Form, Funktionalität und Ästhetik  erzielen. In der Kompressionstherapie führe Druck auf das Gewebe zu einer Abflachung der Narbe und der Reduktion des Ödems. Ergänzend bzw. alternativ einzusetzen wären die Silikongeltherapie oder die intraläsionale Injektion von Steroiden. Teilweise reichten aber die so erzielten Ergebnisse nicht aus und die plastische Chirurgie käme zum Einsatz. Als Methoden seien die Lasertherapie und  Dermabrasion (Verdampfen bzw. Abschleifen der obersten Hautschichten) sowie die operative Narbenkorrektur zu nennen.

Zwischen den Vorträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich Praxisdemonstrationen zu Faszientherapie in der Lymphologie (Norma Schwerter, Berlin), Manuelle Lymphdrainage (Sarah Plate, Aachen) und SoftCompress / ACS Light (Karsten Wandslebe, Aichach) anzusehen. Mit den Besucherzahlen und der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren sehr zufrieden. 

Referenten

Pof. Dr. med. C. Can Cedidi 

Direktor der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Klinikum Bremen-Mitte gGmbH
St. Jürgen-Str. 1, 28177 Bremen 

Dr. med. Meinolf Dorka

Facharzt für Gefäßchirurgie
Kirchgasse 20, 56727 Mayen


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Wolfgang Feldl

Leitung Physikalische Therapie
Passauer Wolf Reha-Zentrum
Bürgermeister-Hartl-Platz 1, 94086 Bad Griesbach

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Petra Gerlach-Geltl

Medizinprodukte-Beraterin
Klinikbeauftragte Narben- und Lymphversorgung
Sanitätshaus Eric Waxenberger
Franz-Stelzenberger-Str. 6, 84347 Pfarrkirchen

Priv.-Doz. Dr. med. Hans Goost

Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie
Krankenhaus Wermelskirchen
Königstraße 100, 42929 Wermelskirchen

Christine Hemmann-Moll

Bandagisten-Meisterin
Buchenstraße 34, 74906 Bad Rappenau

Manfred Hundte

Leitender Fachlehrer
Lehrinstitut für Lymphologie und physikalische Ödemtherapie
Gallusstraße 11, 79843 Löffingen

Dr. med. Gabriele Klinger

Fachärztin für Gefäßchirurgie und Chirurgie
MVZ Bad Honnef
Berck-sur-Mer-Straße 1, 53604 Bad Honnef

Prof. Dr. med. Peter Mailänder

Leiter der Klinik für Plastische Chirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

Dr. med. Michael Oberlin

Facharzt für Innere Medizin   
Földiklinik GmbH & Co. KG
Rößlehofweg 2-6, 79856 Hinterzarten

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Dr. med. Markus Öhlbauer

Leitender Arzt Plastische Chirurgie
BG Unfallklinik Murnau
Prof.-Küntscher-Straße 8, 82418 Murnau

Dr. med. Anett Reißhauer

Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Leitung Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Karin Schiller-Moll

Physiotherapeutin bc.nl, Fachlehrerin KPE
Theaterstraße 42, 52062 Aachen



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Prof. Dr. med. Wilfried Schmeller

Hanse-Klinik GmbH
St. Jürgen-Ring 66, 23564 Lübeck



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Norma Schwerter

Physiotherapeutin, Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH
Charitéplatz 1, 10117 Berlin


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Johann Senkel

Facharzt für Allgemeinmedizin, Phlebologie
Gefäßzentrum Köln Am Neumarkt 
Zeppelinstr. 1, Neumarkt-Galerie, 50667 Köln 

Guido Sinram

Orthopädietechniker
Gesundheitshaus Fuchs & Möller
Hasenackerstraße 13-17, 68163 Mannheim

Prof. Dr. med. Peter L. Stollwerck

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Notfallmedizin
Clemens-August-Platz 14, 48167 Münster


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Prof.  Dr. med. Markus Stücker

Ltd. Arzt Interdisziplinäres Venenzentrum, Geschäftsführender Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
St.-Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Hiltroper Landwehr 11-13, 44805 Bochum


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Karsten Wandslebe

Physiotherapeut, Ödemtherapeut 
Julius Zorn GmbH
Juliusplatz 1, 86551 Aichach

Impressionen vom 1. Kölner Interdisziplinären Symposium

In unseren Impressionen haben wir eine Auswahl an Bildern der Veranstaltung für Sie bereitgestellt. Weitere Bilder des 1. Kölner Interdisziplinären Symposiums 2018 finden Sie in unserer Bildergalerie online unter www.galerie.juzo.com. Das Passwort erhalten Sie von unserer Symposium-Ansprechpartnerin Dace Zanker.