Rückblick

8. Münchner Lymph-Symposium am 24. Juni 2017

Grenzfälle in der Lymphologie

„Grenzfälle in der Lymphologie“ waren das Thema des diesjährigen 8. Münchner Lymph-Symposiums, das am 24. Juni stattfand. In der Medizin gebe es den Spruch „Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“, so die wissenschaftliche Leiterin Frau Dr. med. Michaela Knestele, Chefärztin am Wundzentrum Allgäu, in ihrer Begrüßungsrede. Mit sich wiederholenden Krankheitsbildern kämen Ärzte, Therapeuten und Versorger gut zurecht. Diagnostik und Therapie liefen sozusagen ab „wie am Schnürchen“. Anders verhielte es sich jedoch bei den selteneren Problemen.


Das Programm des diesjährigen Lymph-Symposiums sollte daher den über 300 Besuchern aus med. Fachhandel, Ärzteschaft und Therapie einige weniger häufig auftretende Krankheitsbilder des Lymphödems näher bringen, um zu  sensibilisieren und das  Augenmerk auch auf die nicht ganz alltäglichen Probleme von Patienten zu richten. 


Ziel müsse es immer sein, so Frau Dr. Knestele, den Patienten gesamtheitlich zu sehen und seine Lebensqualität zu verbessern.


Ödeme im Hals-, Kopf-, Gesichts- und Genitalbereich


Die Ursachen und Therapieoptionen in der Rehabilitation von Kopf-, Gesichts-, Hals- und Genitalödemen waren Thema von Prim. Dr. med. Christian Ure von der Lymphklinik Wolfsberg / Österreich. Bessere Behandlungsergebnisse könnten vor allem durch neue innovative chirurgische Verfahren, frühzeitige lymphologische Rehabilitationsbehandlung inkl. der Anleitung zum Selbstmanagement sowie gezielte logopädische Maßnahmen erzielt werden. Die stationäre Rehabilitation hätte hier gegenüber der ambulanten zahlreiche Vorteile.


Eva-Maria Streicher, Physiotherapeutin am Lymphzentrum Großhadern, stellte ein Therapiekonzept der lymphologischen Physiotherapie/KPE zur Behandlung von Ödemen in Kopf-, Hals- und Genitalbereich vor. Durch ein zeitnahes und individuelles Therapiemanagement ließe sich die Versorgung von Patienten mit postoperativen Schwellungen optimieren. Der richtige Einsatz der Therapie erhöhe die Effizienz der der Behandlung, reduziere Kosten und spare Zeit. Auch sie betonte die wichtige Rolle des Selbstmanagements. Aus ihrer Erfahrung sei bei den Hals-/Kopfpatienten die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit besonders hoch.


Über die Besonderheiten in der Kompressionsversorgung von Ödemen im Kopf-, Hals- und Genitalbereich referierten Petra Gerlach-Geltl, Medizinprodukte-Beraterin  Sanitätshaus Waxenberger, und Petra Scherübl, Medizinprodukte-Beraterin und Lymphcoach. Der Leidensdruck sei bei dieser Patientengruppe sehr groß – und daher die Compliance besonders wichtig. Neben der Vorstellung verschiedener Versorgungsformen und Verschlussmöglichkeiten gaben die Expertinnen hilfreiche Praxistipps für das richtige Maßnehmen. Generell sei wichtig: Soviel Versorgung wie nötig, aber nicht mehr als erforderlich. 


Ödeme während der Schwangerschaft und im Verdauungstrakt


Ödeme in der Schwangerschaft seien häufig, so Dr. med. Martha Földi, ärztliche Direktorin der Földiklinik Hinterzarten. Ca. 80% aller Schwangeren seien davon betroffen, besonders im Bereich der unteren Extremität. Abzugrenzen davon seien neben pathologischen Ödemen im Rahmen von Schwangerschaftserkrankungen die „echten“ Lymphödeme. Sowohl könnten vorbestehende Lymphödeme durch die physiologischen Veränderungen in der Schwangerschaft aggraviert werden. Ebenso könnten sich Lymphödeme durch eine Schwangerschaft bei Patientinnen mit entsprechender genetischer Veranlagung erstmanifestieren. Beide Fälle seien klare Indikationen für den Einsatz der KPE. Die lymphologische Kompressionsstrumpf-versorgung (Flachstrick) sollte zusätzlich konsequent getragen werden. Auf jeden Fall sei eine ausführliche qualifizierte Beratung und Schwangerschaftsbetreuung im interdisziplinären geburtshilflich-lymphologischen Team erforderlich.


Fehlbildungen des Lymphgefäßsystems innerer Organe seien eher selten, aber i.d.R. verknüpft mit teilweise lebensgefährlichen Komplikationen. Nicht nur primäre Anlagestörungen sondern auch sekundäre Schädigungen, wie Infektionen (z.B. Filariose), Traumen, Operationen oder Bestrahlungen könnten zu lymphatischen Abflussbehinderungen der großen abdominellen oder thorakalen Lymphgefäße führen. Dr. med. Schuchardt, Internist, Hämatologe und internistischer Onkologe besprach in seinem Vortrag die notwendigen diagnostischen Maßnahmen und die Möglichkeiten der konservativen Therapie.


Operative Methoden in der Lymphologie


Thiha Aung vom  Zentrum für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Regensburg gab ein Update zur „operativen Lymphologie“. Er beleuchtete die Möglichkeiten und Erfolge innovativer chirurgischer Methoden wie Lymphknotentransplantation, multipler lympho-venöser Anastomose und anderen minimalinvasiven Eingriffen.


Die operative Behandlung des Lymphödems erörterte Prof. Dr. med. Manfred Infanger, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Magdeburg in seinem Vortrag „Plastische Chirurgie im Rahmen der Lymphödem-Therapie – Eine Möglichkeit?“. Neben der Rekonstruktion, u. a. mit Lappenplastiken, und der Resektion zeigte er auch die Möglichkeiten der Mikrochirurgie auf.


Das artifizielle Lymphödem / Lymphfistel nach OP und Traumen


Die Schwierigkeiten bei der Erkennung, aber auch bei der Therapie von artifiziellen Lymphödemen benannte Dr. med. Barbara Netopil, Reha-Zentrum Bad Nauheim.
Es handele sich dabei um Ödeme, die durch Selbstschädigung, d. h. meist durch Strangulation  von Armen oder Beinen entstehen, häufig mit dem Hintergrund einer psychischen Problematik. Die Diagnostik sei schwierig, da die Patienten die Manipulation selten zugeben. Dadurch sei auch mit einer relativ hohen Dunkelziffer zu rechnen.


Die seltene Komplikation „Lymphfistel nach OP und Traumen“ beleuchteten Monika Hörner, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, und Simone Haas, Study Nurse, beide Klinikum Sindelfingen-Böblingen. Lymphfisteln seien seltene Komplikationen nach Operationen. Percutane Lymphfisteln könnten jedoch auch durch die spontane oder traumatische Ruptur von Lymphzysten entstehen. Die Adipositas gelte als signifikanter Risikofaktor, aber auch Diabetes mell. Typ 2. Die Therapiemöglichkeiten erstreckten sich je nach Lokalisation von der KPE/Kompression über die diabetische Behandlung bis hin zur chirurgischen Sanierung. Eine solche wurde in der anschließenden Patientenvorstellung eindrucksvoll dokumentiert.


Mit ihrem Vortrag zu „Lymphödemen bei Zustand nach Drogenabhängigkeit“ in dem sie anhand mehrerer Fallbeispiele die Schwierigkeiten in der Therapie dieser Patrientengruppe schilderte, beendete Frau Dr. Knestele das Vortragsprogra


Spende für die Forschung


Im Rahmen der Fortbildung überreichte Herr Ulrich Frey, Leiter Produktmanagement der Julius Zorn GmbH, eine Spende in Höhe von 7.000 Euro aus den Teilnahmegebühren an Frau Dr. Knestele, stellvertretend für die deutsche Gesellschaft für Lymphologie. Der gespendete Betrag wird für weitere Forschungsvorhaben in der Lymphologie verwendet.


Mit den Besucherzahlen und der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren hochzufrieden. Die Vorbereitungen für das 9. Münchner Lymphsymposium laufen bereits. Es wird am 23.06.2018 stattfinden.


Abstracts

Dr. med. Martha Földi

Ödeme in der Schwangerschaft

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Simone Haas

Lymphfistel nach OP und Traumen – Überblick und Patientenvorstellung

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Monika Hörner

Lymphfistel nach OP und Traumen – Überblick und Patientenvorstellung

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Dr. med. Christian Schuchhardt

Lymph-Erkrankungen im Verdauungstrakt

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Eva-Maria Streicher

Ödeme im Kopf-, Gesichts- und Genitalbereich: Therapeutische Aspekte

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Impressionen vom 8. Münchner Lymph-Symposium 2017

Mit den Besucherzahlen und auch der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren hochzufrieden. Die Vorbereitung für das 9. Münchner Lymph-Symposium am 23.06.2018 laufen bereits.