Rückblick

6. Berliner Lymphologisches Symposium am 1. April 2017

Update und klinische Fälle

Manualmedizinische und osteopathische Techniken, insbesondere Faszientechniken, gewinnen in der ergänzenden Therapie des primären und sekundären Lymphödems immer mehr an Bedeutung. So Frau Dr. med. Anett Reißhauer, Leitung Arbeitsbereich Physikalische Medizin und Rehabilitation in der Charité Universitätsmedizin in ihrer Begrüßung zum 6. Berliner Lymphologischen Symposium. Als wissenschaftliche Leiterin freute sie sich über die „unglaublich große“  Besucherzahl aus Ärzteschaft, Therapie und medizinischem Fachhandel. Waren es beim ersten Symposium vor 5 Jahren noch 170 Gäste, so konnten dieses Mal über 500 Teilnehmer begrüßt werden. Auch Vertreter einiger Kostenträger waren dabei.


Ziel des 6. Berliner Lymphologischen Symposiums war es, aktuelle Themen rund um die Behandlung von Lymphödemen zu beleuchten und praxisrelevant zu diskutieren. Auch die überarbeitete Leitlinie Lymphödem war zentrales Thema.


Praxisseminare zu speziellen Fragestellungen der Kompressionsbandagierung, der Kompressionsbestrumpfung, ergänzender Elektrotherapie bei Lymphödemen sowie Fallvorstellungen aus dem klinischen Alltag rundeten den lymphologischen Fortbildungstag ab.


Faszientechniken als Ergänzung zur manuellen Lymphdrainage


Mit einem  eindrucksvollen Einblick in die Anatomie der Faszien startete Prof. Dr. med. Dieter Blottner, Institut für Anatomie an der Charité Universitätsmedizin, die Vortragsreihe. Er stellte dar, in welchem funktionellen Zusammenhang Faszien und Lymphgefäßsystem stehen.


Die Bedeutung der Manuellen Medizin / Osteopathie in der Lymphödemtherapie beleuchtete Prof. Dr. med. Ulrich Smolenski , Direktor des Instituts für Physiotherapie am Universitätsklinikum Jena, in seinem Vortrag  „Faszientechnik beim Lymphödem – eine ergänzende Therapie“. Faszienketten sind Strukturen im menschlichen Körper, deren Blockade auch lymphatischen Abflussstörungen begünstigen kann. Diese „Blockaden“ gilt es mit osteopathischen Techniken zu lösen, um die manuelle Lymphdrainage zu ergänzen und damit auch den Lymphabfluss optimieren zu können.


Im direkten Anschluss zeigte Norma Schwerter vom Charité Physiotherapie und Präventionszentrum den Einsatz osteopathischer Techniken am Patienten eindrucksvoll in einer videounterstützten Praxisdemonstration.


Rehabilitative und akutmedizinische Ödembehandlung


Prim. Dr. med. Christian Ure von der Lymphklinik Wolfsberg /Österreich schilderte seine Erfahrungen bei Hals-, Kopf- und Gesichtslymphödemen nach HNO- und gesichts-/kieferchirurgischen Eingriffen. Verbesserungen könnten hier vor allem durch neue Operationstechniken, einen effektiveren Umgang mit Rezidiven und strahlenbedingten Folgeschäden, sowie durch logopädisch rehabilitative Maßnahmen erreicht werden. Hier hätte die stationäre lymphologische Rehabilitation gegenüber der ambulanten zahlreiche Vorteile.


Frau Dr. med. Anett Reißhauer stellte in ihrem Vortrag „Manuelle Lymphdrainage und Ödemtherapie im Akutkrankenhaus“ sowohl die Wichtigkeit der stationären Behandlung schwerer Lymphödeme mit Komorbiditäten anhand von ausgewählten Praxisbeispielen als auch die Bedeutung der Entstauungstherapie bei akuten Ödemsituationen dar.


Demnächst: Neue Leitlinie „Lymphödem“


In seinem Vortrag „Die neue Leitline Lymphödem“ ging Dr. med. Michael Oberlin von der Földiklinik Hinterzarten zuerst allgemein auf Zweck und Zielsetzung von medizinischen Leitlinien ein. Dann schilderte er die Entwicklung der zukünftigen S2K-Leitlinie von der Urleitlinie von 1998 bis zum heutigen Stand. Er gehe aktuell von einer Veröffentlichung noch in der ersten Jahreshälfte 2017 aus.


Lymphologie in der Praxis


Bei den Praxis-Seminaren am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Wahl: Neben klinischen Fallvorstellungen, präsentiert von Dr. med. Christine Schwedtke, Dr. med. Maximilian Liebl, Dr. med. Annelies Kling und Dr. med. Claudia Wittmann – alle Physikalische Medizin und Rehabilitation Charité Berlin, standen auch Praxisdemonstrationen zur Tiefenoszillation (Rolf Prischtscheptschuk, Physiotherapeut), Bandagierung mit innovativen Kompressionsmaterial (Heinz Thoma, Fachlehrer für KPE / ML, Földischule) und individuelle maßgefertigte Kompressionsbestrumpfungen für Problembereiche (Christine Hemmann-Moll, Bandagisten-Meisterin) auf dem Programm.


Spende für einen guten Zweck


Im Rahmen der Fortbildung überreichte Herr Uwe Schettler, Geschäftsführer der Julius Zorn GmbH, eine Spende aus den Teilnahmegebühren an Frau Dr. med. Anett Reißhauer. Der gespendete Betrag wird für weitere Forschungsvorhaben in der Lymphologie verwendet


Mit den Besucherzahlen und der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren hochzufrieden. Die Vorbereitungen für die Folgeveranstaltung laufen bereits. Das „7. Berliner Lymphologische Symposium“ wird am 14. April 2018 stattfinden.


Abstracts

Rolf Prischtscheptschuk

Deep Oscillation

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Prim. Dr. med. Christian Ure

Kopf-, Gesichts-, Halslymphödeme - Ursachen und Therapieoptionen in der Rehabilitation

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Dr. med. Michael Oberlin

Die Neue S2K Leitlinie - „Diagnostik und Therapie des Lymphödems“

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Impressionen vom 6. Berliner Lymphologischen Symposium 2017

Mit den Besucherzahlen und auch der Resonanz auf die Veranstaltung waren die Initiatoren hochzufrieden. Die Vorbereitung für die Folgeveranstaltung 2018 laufen bereits.

In unserer Galerie finden Sie einige Impressionen des 6. Berliner Lymphologischen Symposium 2017